Übersicht zu Gliedsätzen – Nebensätzen

Dienstag, Oktober 1, 2013

Übersicht zu Gliedsätzen (Nebensätzen)

Setzt sich ein Satz aus einem Subjekt und einem Prädikat zusammen, ist damit grundsätzlich ein vollwertiger Hauptsatz vorhanden: Lisa telefoniert. Um das Geschehen ausführlicher zu beschreiben und die Aussagekraft zu erhöhen, wird der Hauptsatz jedoch meist um weitere Objekte ergänzt: Lisa telefoniert seit einer Stunde mit Peter.

Hauptsätze alleine reichen jedoch nicht immer aus, um alles wie gewünscht auszudrücken. In diesem Fall werden dann ein oder mehrere Gliedsätze angefügt.

Die verschiedenen Gliedsätze in der Übersicht

Gliedsätze werden auch Nebensätze genannt und beziehen sich immer auf den Hauptsatz. Für sich alleine können Nebensätze nicht stehen, denn sie würden keinen Sinn ergeben. Die Bezeichnung Gliedsatz kommt dadurch zustande, dass ein Gliedsatz die Stelle eines Satzgliedes einnimmt.

Dabei können Gliedsätze jedes Satzglied ersetzen. Die einzige Ausnahme ist das Prädikat, das nicht durch einen Gliedsatz ersetzt werden kann. Gliedsätze sind immer durch Kommas vom Hauptsatz getrennt und beginnen häufig mit Konjunktionen (Bindewörtern). Außerdem sind die meisten Gliedsätze daran zu erkennen, dass das Verb am Satzende steht. In einem Satzgefüge gibt es drei mögliche Stellungen für Gliedsätze.

Sie können nämlich vor dem Hauptsatz stehen, in den Hauptsatz eingeschoben sein oder hinter dem Hauptsatz angefügt werden. Dabei wird im Deutschen zwischen mehreren Varianten von Gliedsätzen unterschieden:

Subjekt-, Objekt- und Prädikativsätze

ersetzen das entsprechende Satzglied in einem Satz. Als Subjektsatz nimmt der Gliedsatz die Stelle des Subjekts ein:

Dem Chef gefällt nicht, dass Peter schon wieder zu spät gekommen ist.

Dass Peter schon wieder zu spät gekommen ist, gefällt dem Chef nicht.

Hilfsfrage: Wer oder was gefällt dem Chef nicht?

                   = Dass Peter schon wieder zu spät gekommen ist.

Als Objektsatz tritt der Gliedsatz an die Stelle des jeweiligen Objekts:

Der Chef erwartet, dass Peter pünktlich erscheint.

Hilfsfrage: Wen oder was erwartet der Chef?

                   = dass Peter pünktlich erscheint.

Vom Prädikativ wird gesprochen, wenn das Prädikat des Satzes aus Verben wie sein, werden oder bleiben und einem Nomen, einem Adjektiv oder einem Adverb als Ergänzung besteht. Möglich ist aber auch, dass ein Prädikativsatz das Prädikat vervollständigt:

Das Ärgerliche ist, dass Peter immer eine gute Ausrede hat.

Adverbialsätze

beginnen meist mit einer Konjunktion. Aus diesem Grund heißen sie auch Konjunktionalsätze. Konjunktionen dienen einerseits als Binde- und Einleitungswörter und bestimmen gleichzeitig über die Bedeutung des Nebensatzes.

Je nach Bedeutung werden dann auch die Nebensätze
entsprechend genannt:

·         Betrifft die Konjunktion den Zeitpunkt oder die Dauer, liegt ein Temporalsatz vor: Solange es regnet, können die Kinder nicht draußen spielen.

·         Konjunktionen, die einen Grund angeben, leiten Kausalsätze ein: Die Kinder können nicht draußen spielen, weil es regnet.

·         Konditionalsätze drücken eine Bedingung aus: Die Kinder können nicht draußen spielen, wenn es regnet.

·         Wird der Gliedsatz durch eine Konjunktion eingeleitet, die etwas einräumt, handelt es sich um einen Konzessivsatz: Die Kinder spielen draußen, obwohl es regnet.

·         Als Konsekutivsatz drückt der Gliedsatz eine Folge aus: Es regnet so, dass die Kinder unmöglich draußen spielen können.

·         Gliedsätze, die sich auf das Ziel oder den Zweck beziehen, heißen Finalsätze: Hoffentlich hört es bald auf zu regnen, damit die Kinder draußen spielen können.

·         Nähere Angaben zu den Begleitumständen oder der Art und Weise machen Modalsätze: Die Kinder spielen draußen, ohne sich vom Regen abschrecken zu lassen.

·         Als Adversativsatz drückt der Gliedsatz einen Gegensatz aus: Anstatt dass die Kinder drinnen bleiben, spielen sie draußen im Regen.

·         Komparativsätze stellen einen Vergleich an: Wie Kinder so sind, spielen sie trotz des Regens draußen.

Viele Konjunktionen sind jedoch nicht auf nur eine Bedeutung beschränkt, sondern können je nach Zusammenhang verschiedene Bedeutungen annehmen. So kann beispielsweise das Bindewort als auf die Zeit, die Art und Weise oder einen Vergleich bezogen sein.

Relativsätze

werden durch die Relativpronomen der, die, das und die oder ersatzweise welcher, welche, welches und welche eingeleitet. Die Relativpronomen beziehen sich immer auf ein Nomen oder ein Substantiv im Hauptsatz. Da die Relativsätze dem Bezugnomen beigefügt sind und es näher bestimmen, werden sie auch Attributsätze genannt.

Als Einleitewort von einem Relativsatz nimmt ein Relativpronomen immer den Fall
und die Anzahl des Bezugnomens an:

Der Mann, der dort steht, wartet auf den Bus.

Die Frau, die dort steht, wartet auf den Bus.

Das Kind, das dort steht, wartet auf den Bus.

Die Leute, die dort stehen, warten auf den Bus.

Der Mann, dessen Auto kaputt ist, wartet auf den Bus. (Genitiv)

Die Frau, der kalt ist, zieht sich ihre Jacke an. (Dativ)

Das Kind, das der Busfahrer zuerst einsteigen lässt, setzt sich an den Eingang. (Akkusativ)

Wichtig beim Anfügen von Gliedsätzen ist, darauf zu achten, dass der Anschluss richtig hergestellt wird, denn ansonsten könnte es zu Missverständnissen kommen. Heißt es beispielsweise Sie stellte die Blumen in die Vase, die er mitgebracht hatte. ist nicht klar, ob er Blumen, eine Vase oder beides mitgebracht hat.

Zu den Relativsätzen werden aber auch solche Gliedsätze gezählt, die sich nicht auf ein direktes Bezugsnomen, sondern auf den gesamten Satz davor beziehen:

Er fährt heute mit dem Bus zur Arbeit, was er schon lange einmal ausprobieren wollte.

Indirekte Fragesätze

beginnen entweder mit ob oder mit einem Fragewort:

Der Arzt wollte wissen, ob Lisa Schmerzen hat.

                                       welche Beschwerden Lisa habe.

                                       seit wann die Schmerzen bestünden.

                                       warum Lisa nicht schon früher gekommen sei.

Infinitiv- und Partizipialsätze

sind besondere Formen von Gliedsätzen. Konkret handelt es sich dabei um verkürzte Gliedsätze, bei denen anstelle von herkömmlichen Gliedsätzen erweiterte Infinitive oder Partizipialkonstruktionen stehen. Infinitiv- und Partizipialsätze werden eingesetzt, um eine Aussage weniger umständlich oder eleganter klingen zu lassen:

Der Mann hofft, dass er den Bus noch erreichen wird.

Infinitivsatz: Der Mann hofft, den Bus noch zu erreichen.

Als er an der Bushaltestelle angekommen war, sah er den Bus davonfahren.

Partizipialsatz: An der Bushaltestelle angekommen, sah er den Bus davonfahren.

Ähnlich wie bei Relativsätzen muss aber auch bei Partizipialkonstruktionen auf den richtigen Anschluss geachtet werden. Falsch wäre beispielsweise An der Bushaltestelle angekommen, fuhr der Bus davon., denn das Partizip bezieht sich auf den Mann und nicht auf den Bus.

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