Das Fugen-s im Deutschen

Das Fugen-s im Deutschen

Eine Besonderheit der deutschen Sprache ist, dass neue Wörter gebildet werden können, indem zwei andere Wörter miteinander verknüpft werden. Solche Substantive (Hauptwörter), die aus mindestens zwei eigenständigen Wörtern zusammengesetzt sind, heißen Substantivkomposita. Regenschirm, bestehend aus Regen und Schirm, Baumstamm aus Baum und Stamm oder Vergnügungspark aus Vergnügen und Park sind Beispiele für zusammengesetzte Wörter.

Das Fugen-s im Deutschen

Bei den Substantivkomposita heißt das erste, vordere Wort am Anfang Bestimmungswort. Das letzte Glied am Ende ist das Grundwort. Und in vielen Fällen ist es möglich, das Bestimmungs- und das Grundwort einfach direkt aneinander zu hängen. Aber manchmal brauchen die Wörter ein Bindeelement.

Meistens handelt es sich bei dem Element um ein s. Deshalb wird dieses s dann Binde- oder Fugen-s genannt.

Nun ist es aber gar nicht so einfach, zu entscheiden, wann ein Fugen-s eingefügt werden muss. Denn eindeutige Regeln gibt es kaum. Stattdessen existieren jede Menge Ausnahmen und Fälle, in denen der Gebrauch des Fugen-s schwankt.

Damit es ein bisschen einfacher wird, haben wir Anhaltspunkte und Tipps zum richtigen Einsatz des Fugen-s zusammengestellt!:

Wann wird ein Fugen-s eingefügt?

Beim größeren Teil der zusammengesetzten Substantive ist kein Fugen-s notwendig. Als Bindeglied findet sich der Buchstabe bei etwa einem Drittel der Komposita. Dabei steht das Fugen-s im Allgemeinen, wenn das Bestimmungswort, also das erste Wort der Zusammensetzung, auf eine der folgenden Silben endet:

  • -heit; Freiheitsrecht, Einheitsmuster

  • -keit; Sauberkeitsfanatiker, Dankbarkeitsgeste

  • -ling; Frühlingserwachen, Säuglingsmütze

  • -sal; Schicksalsschlag

  • -schaft; Mannschaftsbus, Genossenschaftsbank

  • -ung; Rettungsboot, Erinnerungsvermögen

  • -ion; Reaktionstest, Kommunionsfeier

  • -tät; Realitätsverlust, Autoritätsperson

  • -tum; Altertumsforschung, Eigentumswohnung

Außerdem wird meistens ein Fugen-s eingefügt, wenn das Bestimmungswort ein substantivierter Infinitiv ist. Der Infinitiv ist die Grundform von einem Verb (Tuwort). Bei einer Wortzusammensetzung verwandelt sich das Verb dann in ein Substantiv. Infinitive enden im Deutschen auf -en. So entstehen Wörter wie zum Beispiel Essensreste, Wissenslücke, Sehenswürdigkeit, Lebensfreude oder Redensart.

Wann wird kein Fugen-s eingesetzt?

Während bei einigen Wortzusammensetzungen das Fugen-s die beiden Elemente miteinander verbindet, gibt es jede Menge Komposita, bei denen kein Binde-s benötigt wird.

Das ist bei Zusammensetzungen der Fall, bei denen das Bestimmungswort mit einem Zischlaut endet. Zischlaute sind -sch, -s, -ss, -ß, -st, -tz und -z. Beispiele für Komposita sind etwa Waschstraße, Hausflur, Fassboden, Maßband, Lastwagen, Sitzecke oder Herzbeutel.

Anzeige

Endet das vordere Wort mit einem -en und ist es kein substantiviertes Verb, wird ebenfalls kein Fugen-s eingefügt. So zum Beispiel bei Bodenschatz, Gartenbank, Rasenfläche oder Nebengebäude.

Eine weitere Gruppe ohne Fugen-s bilden Zusammensetzungen, bei denen das erste Wort weiblich ist und nicht auf -ion, -tät, -heit, -keit, -schaft, -sicht, -ung oder einen Zischlaut endet. Das gilt für Wörter wie beispielsweise Weltkugel, Naturschutz, Fruchtsaft, Redepult oder Nachtwache.

Allerdings gibt es an dieser Stelle auch einige Ausnahmen. So werden Zusammensetzungen, die mit Armut, Hilfe, Liebe, Geschichte oder Weihnacht beginnen, mittels Fugen-s mit dem Grundwort verbunden.

Meistens fällt ein Fugen-s auch dann weg, wenn das Bestimmungswort mit der Silbe -er endet. Beispiele dafür sind Feierabend, Steuererklärung, Kellertreppe, Hühnerei oder Feuerleiter. Meistens deshalb, weil es auch hier wieder Ausnahmen gibt.

Bei diesen Ausnahmen handelt es sich überwiegend um altertümliche Begriffe wie Hungersnot oder Henkersmahlzeit.

Zu guter Letzt ist ein Fugen-s überflüssig, wenn das erste Wort der Zusammensetzung mit -el aufhört. Bei Wörtern wie Hagelschauer, Kegelbahn, Pendeluhr oder Mandelmilch geht es auch ohne das Bindeelement. Ausnahmen bilden allerdings Komposita mit Engel, Himmel und Esel. Hier muss ein Fugen-s dazwischen.

Wann schwankt der Gebrauch des Fugen-s?

Zu allem Überfluss gibt es auch noch Zusammensetzungen, bei denen das Fugen-s mal eingefügt wird und mal nicht. Richtig sind aber beide Varianten.

Das betrifft Komposita, bei denen das Grundwort Steuer oder Straße ist. Die Finanzbehörden möchten kein Fugen-s zwischen den einzelnen Steuerarten haben. Es heißt also zum Beispiel Einkommensteuer oder Vermögensteuer.

Die deutsche Rechtschreibung erlaubt aber genauso die Einkommenssteuer und die Vermögenssteuer. Bei Straßen ist es ähnlich. Hier kann es beispielsweise Bahnhofstraße oder Bahnhofsstraße heißen.

Auch bei Zusammensetzungen mit einem Partizip als zweite Worthälfte ist der Gebrauch des Fugen-s möglich, aber keine Pflicht. Richtung(s)weisend, krieg(s)führend oder verfassung(s)gebend sind Beispiele für solche Begriffe.

Ein guter Tipp zum Fugen-s im Deutschen

Beim Fugen-s gibt es so viele Regeln, Ausnahmen und Sonderfälle, dass sich vermutlich kaum jemand alles merken kann. Selbst Muttersprachler und Germanistik-Studenten kommen mitunter ins Grübeln. Und manchmal gehen die Meinungen, ob es ein Fugen-s braucht oder nicht, weit auseinander.

Andererseits hat es sich bewährt, sich beim Sprechen einfach auf sein Bauchgefühl zu verlassen. Wenn sich eine Wortzusammensetzung komisch anhört oder die Aussprache erschwert, können wir das Fugen-s streichen. Erleichtert das Fugen-s hingegen den Redefluss, fügen wir es ein. Und in den meisten Fällen sorgt die Intuition für das richtige Ergebnis.

Mehr Anleitungen, Ratgeber, Tipps und Übungen:

Thema: Das Fugen-s im Deutschen

Redakteure
Twitter

Veröffentlicht von

Redakteure

Marlies Giesa, Geboren 1968 , ich habe teilweise über die Jahre im In- und Ausland, das Fach Deutsch unterrichtet. Ich liebe die deutsche Sprache und möchte das Wissen gerne an Schüler, Ausländer, Studenten und Interessierten weitergeben. Ich hoffe meine Übungen und Anleitungen werden ihnen helfen oder sie unterstützen. Christian Gülcan als Betreiber der Webseite, verfasst auch diverse Artikel, da er als Online-Redakteur täglich mit der Erstellung von hilfreichen Content arbeitet, für verschiedene Zielgruppen.

Kommentar verfassen