Ein Gespräch ohne Nachfragen führen, einen Brief selbst verstehen oder eine Prüfung bestehen: Wer Deutsch lernt, verbindet mit der Sprache oft ganz konkrete Hoffnungen. Hinter den Zahlen zu Kursen, Sprachtests und Schulunterricht stehen solche persönlichen Ziele.

Dieser Beitrag blickt auf veröffentlichte Daten aus Deutschland und Europa und ordnet ein, was sie über das Deutschlernen zeigen und was sich aus ihnen nicht ablesen lässt:
Weniger neue Teilnahmen an Integrationskursen
Deutschland· konsolidierte Geschäftsstatistik, Abfrage von 2026
Die Bundesregierung weist für 2025 insgesamt 307.030 neue Teilnehmende aus. Im Jahr davor waren es 363.466. Damit liegt der jüngste Jahreswert um 56.436 Personen niedriger; das entspricht rechnerisch rund 15,5 % des Vorjahreswerts. Schon 2023 lag die Zahl mit 363.478 nahezu auf dem Niveau von 2024. Die Veränderung betrifft die dokumentierten Neueintritte in das bundesweite Integrationskurssystem, nicht alle Menschen, die in Deutschland Deutsch lernen.
| Berichtsjahr | Personen |
|---|---|
| 2023 | 363.478 |
| 2024 | 363.466 |
| 2025 | 307.030 |
Die Statistik unterscheidet zudem, ob für den Kurseintritt eine Teilnahmeberechtigung oder eine Teilnahmeverpflichtung vorlag. Für 2025 nennt sie 171.589 Berechtigte (55,9 %) und 135.441 Verpflichtete (44,1 %). Aus dem veränderten Verhältnis zu früheren Jahren lässt sich allerdings kein sauberer Verhaltenswechsel ableiten: Berechtigungen durch Träger der Grundsicherung wurden erst ab 2025 getrennt ausgewiesen; zuvor fielen sie technisch mit in die Gruppe der Verpflichtungen. Die Gesamtzahl neuer Teilnehmender ist für den zeitlichen Blick besser geeignet als dieser Statusvergleich.
Auch eine gesunkene Zahl neuer Kursteilnahmen beantwortet noch nicht, ob weniger Menschen Sprachförderung benötigen. Die Statistik erfasst Eintritte in ein bestimmtes, öffentlich organisiertes Angebot. Nachfrage, verfügbare Plätze, Zugangsregeln und andere Deutschkurse werden durch diese einzelne Kennzahl nicht getrennt gemessen. Als Hintergrund zur älteren Diskussion über Förderbedarf gibt es auf der Website den Beitrag Sprachförderbedarf bei Migranten; die hier ausgewerteten Verwaltungsdaten sind eine eigene, neuere Momentaufnahme.
Im Deutsch-Test erreichen 55 Prozent das Niveau B1
Deutschland · Testergebnisse 2025 · Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ), höchstes erfasstes Ergebnis je Person · Abfrage vom 1. April 2026
Ein zweiter Befund betrifft den Sprachstand im Abschlusstest, nicht die Zahl der Kursanfänge. Von 318.550 erfassten DTZ-Teilnehmenden des Jahres 2025 erreichten 175.193 das Niveau B1, also 55,0 %. Weitere 102.663 erreichten A2 (32,2 %), und 40.694 blieben unter A2 (12,8 %). Die drei Gruppen schließen einander bei dieser Auswertung aus. Der Test bescheinigt hier A2, B1 oder „unter A2“; B2 und höhere Niveaus werden im DTZ nicht ausgewiesen.
| Erreichtes Niveau | Personen | Anteil |
|---|---|---|
| B1 | 175.193 | 55,0 % |
| A2 | 102.663 | 32,2 % |
| Unter A2 | 40.694 | 12,8 % |
Die Quote lag 2024 für B1 bei 56,3 %, für A2 bei 32,0 % und für „unter A2“ bei 11,6 %. Das beschreibt eine andere Verteilung der jeweils geprüften Personen; ohne Kontrolle der Zusammensetzung der Testgruppen sagt die Veränderung nichts Sicheres über eine bessere oder schlechtere Unterrichtsqualität aus. Zum Verständnis der Stufen bietet die Website eine Übersicht zum Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen.
Daneben nennt die Geschäftsstatistik 157.864 „erfolgreiche Kursaustritte“ im Jahr 2025, nach 167.579 im Vorjahr. Ein erfolgreicher Austritt setzt neben B1 im DTZ auch einen bestandenen Orientierungstest voraus; beim Alphabetisierungskurs gelten besondere Ziele. Die Zahl ist deshalb nicht mit den 175.193 B1-Ergebnissen gleichzusetzen. Ebenso wenig darf man erfolgreiche Austritte eines Kalenderjahres durch dessen neue Kurseintritte teilen: Kurse dauern über den Jahreswechsel hinaus, und Beginn und Austritt gehören nicht zu derselben festen Gruppe.
In Europas Grundschulen variiert der Deutschunterricht stark
EU · Schuljahr 2023/24 (in der Statistik als 2024 bezeichnet) · Veröffentlichung vom 18. Mai 2026
Die europäische Schulstatistik misst, welcher Anteil aller Kinder in der Primarstufe Deutsch als Fremdsprache im regulären Lehrplan lernt. Für die EU insgesamt sind es 4,0 %. In Dänemark erreicht der Anteil 25,7 %, in Kroatien 19,0 %, in Ungarn 15,5 %, in Lettland 13,4 % und in Griechenland 12,0 %. Die Unterschiede zeigen, wie stark die Stellung des Faches vom jeweiligen Schulsystem und dem Zeitpunkt des Fremdsprachenbeginns abhängt. Sie sind keine Messung der Sprachkompetenz der Kinder.
| Gebiet | Anteil aller eingeschriebenen Kinder |
|---|---|
| Dänemark | 25,7 % |
| Kroatien | 19,0 % |
| Ungarn | 15,5 % |
| Lettland | 13,4 % |
| Griechenland | 12,0 % |
| EU insgesamt | 4,0 % |
Dass der EU-Wert unter den ausgewählten Ländern liegt, ist kein Rechenfehler: Die Grafik wählt Länder mit vergleichsweise hohen Anteilen und bildet gerade keinen repräsentativen Länderquerschnitt ab. In Luxemburg meldet die gleiche Statistik sogar 94,7 % in der Primarstufe. Dort ist Deutsch zugleich Amtssprache, wird für diese Bildungsstatistik jedoch als Fremdsprache gezählt. Eine solche curriculare Sonderregel sollte nicht als Beleg für nahezu flächendeckenden Deutschunterricht nach dem gleichen Muster wie in Dänemark gelesen werden.
Für die Einordnung über den Lernweg hinweg ist wichtig: In der EU-Unterstufe der Sekundarschule liegt der erfasste Anteil für Deutsch bei 18,9 %. Hier geht es um eine andere Alters- und Schulstufe als bei den 4,0 % der Primarstufe. Aus den beiden Querschnitten folgt weder, dass dieselben Kinder später zum Deutschunterricht wechseln, noch wie lange und intensiv sie die Sprache lernen.
England: Deutsch-Anmeldungen zur Schulprüfung bleiben nahezu konstant
England · vorläufige Anmeldungen zu den Sommerprüfungen 2025 und 2026 · Meldestand 15. April 2026, veröffentlicht am 9. Juni 2026
Eine zweite internationale Originalveröffentlichung betrachtet England und misst Prüfungsanmeldungen. Für das Fach Deutsch wurden im Frühjahr 2026 vorläufig 32.525 Anmeldungen zur GCSE-Prüfung gemeldet, nach 32.430 im entsprechenden Stand für 2025. Die Behörde weist das als Veränderung um 0,3 % aus. Im Vorjahresvergleich ist der jüngste Wert damit nahezu unverändert; aus einem so kleinen Unterschied sollte kein neuer Aufwärtstrend konstruiert werden.
| Prüfung | Sommer 2025 | Sommer 2026 |
|---|---|---|
| GCSE Deutsch | 32.430 | 32.525 |
| A-Level Deutsch | 2.125 | 2.190 |
Beim A-Level, einem anderen Prüfungsniveau, stehen 2.190 vorläufige Deutsch-Anmeldungen 2.125 aus dem Vorjahr gegenüber. Auch diese Werte belegen Anmeldungen zu einer Prüfung, nicht die Zahl aller Schülerinnen und Schüler, die im Unterricht Deutsch lernen. GCSE und A-Level dürfen zudem nicht addiert oder als aufeinanderfolgende Lernkohorte behandelt werden: Es sind unterschiedliche Qualifikationen mit unterschiedlichen Jahrgangsgruppen.
Die Prüfungsbehörde sammelt die von Schulen und Colleges an die Prüfungsorganisationen gemeldeten Einträge jedes Jahr etwa zum gleichen Zeitpunkt. Die 2026er Daten waren Mitte April weitgehend vollständig, können sich durch spätere Meldungen aber ändern. Eine weitere methodische Grenze ist die Rundung auf fünf Anmeldungen; die kleine ausgewiesene Differenz ist deshalb mit Zurückhaltung zu lesen. Der GCSE-Wert von 35.110 für den vorläufigen Stand 2024 zeigt, dass „nahezu gleich“ nur für den jüngsten Zweijahresvergleich gilt, nicht für einen längeren stabilen Verlauf.
Grenzen der Zahlen und der Ländervergleiche
Die vier Befunde beleuchten verschiedene Stationen des Deutschlernens. In Deutschland zählt eine Verwaltungsstatistik neue Kurseintritte und erfasste Testergebnisse von Integrationskursen. Die EU erhebt den Anteil eingeschriebener Kinder mit Deutsch als curricularer Fremdsprache. England zählt vorläufige Anmeldungen zu bestimmten Abschlussprüfungen. Gemeinsam machen die Daten sichtbar, dass Deutsch in unterschiedlichen Bildungskontexten vorkommt; sie haben aber keinen gemeinsamen Nenner, aus dem sich eine einheitliche Zahl aller Deutschlernenden ableiten ließe.
Die ausgewiesenen Zeiträume bleiben deshalb Teil jeder Aussage: deutsche Verwaltungsdaten für 2025 mit Abfragestand im April 2026, europäische Schulzahlen für 2023/24 und englische Meldungen für die Prüfungen im Sommer 2026. Dieser Beitrag dokumentiert diese veröffentlichten Datenstände. Er beurteilt weder die künftige Entwicklung noch Ursachen einzelner Veränderungen, die mit den genannten Quellen nicht getrennt untersucht wurden.
Originalquellen und Datenstand
- Bundesregierung, Antwort in Bundestagsdrucksache 21/5716, übermittelt am 30. April 2026, Tabellen zu neuen Integrationskursteilnehmenden (S. 2–3), DTZ-Ergebnissen (S. 8–9) und erfolgreichen Kursaustritten (S. 10–11); Geschäftsstatistik, Abfrage 1. April 2026. Originaltabellen als PDF ansehen (öffnet in neuem Tab).
- Eurostat, Foreign language learning statistics, veröffentlicht am 18. Mai 2026, Daten im April 2026 entnommen, Datensatz educ_uoe_lang01; Primar- und Sekundarstufe, Referenzjahr 2024 = Schuljahr 2023/24. Originalauswertung und Methodik ansehen (öffnet in neuem Tab).
- Ofqual, Provisional entries for GCSE, AS and A level: summer 2026 exam series, veröffentlicht am 9. Juni 2026; England, Meldestand 15. April 2026, Tabellen 3 und 10. Originaltabellen ansehen (öffnet in neuem Tab). Methodik und Rundung ansehen (öffnet in neuem Tab).
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