Die Modalverben im Deutschen
Die Verben dürfen, können, mögen/möchten, müssen, sollen und wollen werden Modalverben genannt. Diese Bezeichnung kommt dadurch zustande, dass Modalverben die Aufgabe haben, die Aussage eines Satzes zu modifizieren. Das bedeutet, Modalverben verändern die Bedeutung der Satzaussage, indem sie diese anpassen, abschwächen oder betonen.

Inhalt
- 1 Wie Modalverben die Satzaussage verändern
- 2 Wie die Modalverben im Deutschen konjugiert werden
- 3 Konjunktiv II mit Modalverben: Höflichkeit, Möglichkeit, Empfehlung
- 4 Deontisch vs. epistemisch: Pflicht/Erlaubnis oder Wahrscheinlichkeit?
- 5 „Sollen“ und „wollen“ in der Berichterstattung (indirekte Rede)
- 6 Verneinung richtig setzen: „nicht dürfen“ vs. „nicht müssen“
- 7 Satzbau mit Modalverben: Hauptsatz, Nebensatz, trennbare Verben
- 8 Konjugations-Besonderheiten im Präsens
Wie Modalverben die Satzaussage verändern
Insgesamt werden die Modalverben im Deutschen recht häufig verwendet. In den meisten Fällen stehen die Modalverben dabei zusammen mit dem Vollverb in einem Satz.
Das Vollverb ist das Verb, auf das sich das jeweilige Modalverb bezieht. Anstelle von Modalverben wird deshalb auch von modalen Hilfsverben gesprochen. Je nach verwendetem Modalverb wird das Geschehen mit Blick auf eine Möglichkeit, einen Wunsch, eine Aufforderung oder eine Verpflichtung ausgedrückt.
Zudem zeigt das Modalverb an, ob sich das Geschehen eigen- oder fremdbestimmt verändert.
Welchen Einfluss Modalverben konkret auf die Aussage eines Satzes haben, wird durch ein Beispiel recht schnell deutlich:
| Lisa probiert die schwarze Hose an. | Lisa ist gerade dabei, die schwarze Hose anzuprobieren, um zu sehen, ob sie passt. |
| Lisa darf die schwarze Hose anprobieren. | Lisa hat die Erlaubnis bekommen, die schwarze Hose anzuprobieren. |
| Lisa kann die schwarze Hose anprobieren. | Wenn Lisa möchte, hat sie die Möglichkeit, die schwarze Hose anzuprobieren. |
| Lisa möchte die schwarze Hose anprobieren. | Lisa hat den Wunsch, die schwarze Hose anzuprobieren. |
| Lisa muss die schwarze Hose anprobieren. | Lisa hat keine andere Wahl, als die schwarze Hose anzuprobieren. |
| Lisa soll die schwarze Hose anprobieren. | Lisa wurde dazu aufgefordert, die schwarze Hose anzuprobieren. |
| Lisa will die schwarze Hose anprobieren. | Lisa beabsichtigt, die schwarze Hose anzuprobieren. |
Möchten ist eigentlich die alte Vergangenheitsform von mögen.
Im Laufe der Zeit hat sich möchten jedoch zu einem selbstständigen Modalverb entwickelt, das eine etwas andere Bedeutung hat als mögen:
Maria mag rote Rosen. = Maria findet rote Rosen schön und freut sich, wenn sie welche bekommt.
Maria möchte rote Rosen. = Maria wünscht (sich) rote Rosen.

Wie die Modalverben im Deutschen konjugiert werden
Das Modalverb und das Vollverb treten in einem Satz meist gemeinsam auf und bilden zusammen das Prädikat dieses Satzes. Das Vollverb wird dabei im Infinitiv, also in seiner Grundform, verwendet und am Ende des Satzes positioniert.
Das Modalverb wird gebeugt und drückt so die Person und die Anzahl aus. Es steht im Satz an der zweiten Stelle.
Wie alle anderen Verben können auch Modalverben verschiedene Zeitformen bilden und das Geschehen dadurch der Gegenwart, der Vergangenheit oder der Zukunft zuordnen:
· Das Präsens setzt sich aus dem gebeugten Modalverb und dem Infinitiv des Vollverbs zusammen:
Ich muss am Wochenende wegfahren. Du kannst den Termin absagen. Er darf sich nicht wundern. Sie wollen uns ein anderes Mal besuchen.
· Für die Vergangenheit gibt es drei mögliche Zeitformen.
Die erste Zeitform ist das Perfekt, das aus haben als Hilfsverb in der gebeugten Form sowie dem Vollverb und dem Modalverb im Infinitiv gebildet wird:
Ich habe am Wochenende wegfahren müssen.
Du hast den Termin absagen können. Er hat sich nicht wundern dürfen. Sie haben uns ein anderes Mal besuchen wollen. Die zweite Zeitform ist das Plusquamperfekt.
Das Plusquamperfekt wird ähnlich gebildet wie das Perfekt, nur wird das Hilfsverb haben im Präteritum verwendet:
Ich hatte am Wochenende wegfahren müssen. Du hattest den Termin absagen können. Er hatte sich nicht wundern dürfen. Sie hatten uns ein anderes Mal besuchen wollen. Das Perfekt und das Plusquamperfekt klingen jedoch ein wenig umständlich.
Deshalb wird meist das Präteritum verwendet, wenn die Vergangenheit ausgedrückt werden soll.
Gebildet wird das Präteritum, indem das Modalverb in der jeweiligen Personalform ins Präteritum gesetzt und durch den Infinitiv des Vollverbs ergänzt wird:
Ich musste am Wochenende wegfahren. Du konntest den Termin absagen. Er durfte sich nicht wundern. Sie wollten uns ein anderes Mal besuchen.
· Um die Zukunft ausdrücken, werden wieder das Vollverb und das Modalverb im Infinitiv verwendet, während werden als Hilfsverb die Person und die Anzahl angezeigt:
Ich werde am Wochenende wegfahren müssen. Du wirst den Termin absagen können. Er wird sich nicht wundern dürfen. Sie werden uns ein anderes Mal besuchen wollen.
Normalerweise treten das Vollverb und das Modalverb zusammen auf. Ist der Zusammenhang klar oder die Situation eindeutig, reicht es aber manchmal auch aus, nur das Modalverb zu verwenden. Das weggelassene Vollverb kann in diesem Fall in Gedanken hinzugefügt werden:
- Ich muss das hier noch fertig machen. Erst dann kann ich nach Hause (gehen).
- Er möchte gerne einen Kaffee (trinken).
- Sie hat Süßigkeiten gegessen, obwohl sie das nicht (tun) durfte.

Konjunktiv II mit Modalverben: Höflichkeit, Möglichkeit, Empfehlung
Der Konjunktiv II (würde-Form oder eigene Form) mildert Aussagen ab, drückt Wünsche, höfliche Bitten oder hypothetische Situationen aus.
- könnte (potentielle Möglichkeit, höfliche Bitte): Könntest du mir kurz helfen?
- dürfte (vorsichtige Vermutung/Höflichkeit): Das dürfte reichen.
- möchte (Wunsch/Höflichkeit; eigenständige Form): Ich möchte einen Kaffee.
- sollte (Empfehlung/Ratschlag): Du solltest den Text noch einmal prüfen.
- wollte (vorsichtige Absicht/indirekter Wunsch): Ich wollte fragen, ob …
- müsste (logische Notwendigkeit/Vermutung): Das müsste funktionieren.
Merke: Höfliche Bitten gelingen mit könnten Sie …, dürfte ich …, würden Sie bitte … – je nach Tonlage.
Deontisch vs. epistemisch: Pflicht/Erlaubnis oder Wahrscheinlichkeit?
Modalverben haben zwei grundlegende Lesarten:
- Deontisch (Pflicht, Erlaubnis, Fähigkeit, Wunsch): Du musst die Quelle angeben. – Er darf das Dokument einsehen. – Sie kann sehr gut programmieren.
- Epistemisch (Sprecherhaltung/Vermutung): Er dürfte schon unterwegs sein. – Das kann stimmen. – Das muss ein Fehler sein.
Praxisfrage: Drückst du eine Norm/Regel aus – oder deine Einschätzung der Wirklichkeit? Das entscheidet über die Lesart.
„Sollen“ und „wollen“ in der Berichterstattung (indirekte Rede)
- sollen markiert Fremdinformation oder nicht gesicherte Berichte: Die Firma soll eine neue App veröffentlichen.
- wollen markiert Selbstzuschreibung von Absicht: Der Sprecher will den Prozess ändern.
In Nachrichten und Fachtexten zeigen sollen/wollen Distanz und Urheber der Aussage.
Verneinung richtig setzen: „nicht dürfen“ vs. „nicht müssen“
- nicht dürfen = Verbot: Du darfst nicht im Labor essen.
- nicht müssen = keine Pflicht: Du musst nicht mitkommen (kannst aber).
- können + Negation: Er kann nicht kommen (Unfähigkeit) vs. Er kann nicht kommen? (Rückfrage).
Negations-Scope ändert die Bedeutung:
- Er muss nicht unbedingt morgen liefern. (Pflicht abgeschwächt)
- Er muss nicht unbedingt morgen liefern. (ähnlich, Fokus auf „nicht unbedingt“)
Satzbau mit Modalverben: Hauptsatz, Nebensatz, trennbare Verben
Grundregel: Modal + Infinitiv ohne „zu“. Das Vollverb steht am Satzende.
- Hauptsatz: Lisa will die schwarze Hose anprobieren.
- Nebensatz: …, weil Lisa die schwarze Hose anprobieren will.
- Trennbare Verben: Präfix bleibt am Ende: Er muss heute aufräumen. / …, weil er heute aufräumen muss.
Perfekt mit Modal (Ersatzinfinitiv / „doppelter Infinitiv“):
- Lisa hat die Hose anprobieren wollen.
- Wir haben länger bleiben müssen.
Stil-Tipp: Im Präteritum klingt es oft natürlicher: Lisa wollte … / wir mussten …

Konjugations-Besonderheiten im Präsens
Die Modalverben sind Präteritopräsentia – daher unregelmäßig. In 1./3. Person Singular Präsens entfällt oft die -e-Endung.
| Verb | ich | du | er/sie/es | wir | ihr | sie/Sie |
| dürfen | darf | darfst | darf | dürfen | dürft | dürfen |
| können | kann | kannst | kann | können | könnt | können |
| mögen | mag | magst | mag | mögen | mögt | mögen |
| müssen | muss | musst | muss | müssen | müsst | müssen |
| sollen | soll | sollst | soll | sollen | sollt | sollen |
| wollen | will | willst | will | wollen | wollt | wollen |
Fehlerquelle: ich könne im Indikativ Präsens ist falsch (Ausnahme: Konjunktiv I in indirekter Rede: er könne).
Bedeutungsnuancen und typische Kollokationen
- dürfen: Erlaubnis, höfliche Angebote (Darf ich fragen …?), formelle Kontexte.
- können: Fähigkeit, Möglichkeit; höfliche Bitte (Könnten Sie …?).
- mögen/möchte: Vorliebe (Ich mag Musik), Wunsch (Ich möchte gehen).
- müssen: Notwendigkeit, Zwang; in epistemischer Lesart starke Schlussfolgerung (Das muss ein Irrtum sein.).
- sollen: Auftrag, Erwartung, Empfehlung (Du solltest …), Bericht (Er soll …).
- wollen: Absicht/Volition; in Berichten Selbstzitat (Er will …).
Minimalpaare: kleine Bedeutung, große Wirkung
- Du musst nicht gehen. (Es ist keine Pflicht.)
- Du darfst nicht gehen. (Verbot.)
- Er kann kommen. (Fähigkeit/Möglichkeit.)
- Er darf kommen. (Erlaubnis.)
- Das muss stimmen. (starke Vermutung.)
- Das kann stimmen. (offene Möglichkeit.)
Häufige Fehler kurz erklärt (Checkliste)
- ❌ „zu“ beim Modal + Infinitiv: *Er will zu gehen. → ✅ Er will gehen.
- ❌ Falsche Zeitwahl im Perfekt: *Er hat gehen gemusst. → ✅ Er hat gehen müssen (oder besser: Er musste gehen.)
- ❌ Verwechslungsgefahr nicht dürfen/nicht müssen (Verbot vs. fehlende Pflicht).
- ❌ Falsche Endung 1./3. Person Präsens: ✅ ich kann, er will, sie darf.
Schnellübersicht
Funktion nach Modalverb (deontisch/epistemisch) – Beispiel – Register/Höflichkeit
- dürfen – Erlaubnis / vorsichtige Vermutung (Es dürfte passen.) – formell/höflich
- können – Fähigkeit/Möglichkeit / zögernde Annahme (Das kann sein.) – neutral/höflich (Könnten Sie …)
- mögen/möchte – Vorliebe/Wunsch – höflich (Ich möchte …)
- müssen – Pflicht / starke Schlussfolgerung (Das muss stimmen.) – direkt/entschlossen
- sollen – Auftrag/Erwartung / Fremdbericht – ratend/hinweisend (Du solltest …)
- wollen – Absicht / Selbstzitat in Berichten – direkt/selbstbezogen
Übungsblock
Formuliere je deontisch und epistemisch:
- müssen:
- Deontisch: Du musst die Quellen nennen.
- Epistemisch: Das muss die richtige Datei sein.
- dürfen:
- Deontisch: Hier darf man nicht rauchen.
- Epistemisch: Das dürfte heute klappen.
- können (Höflichkeit):
- Könnten Sie mir die Version schicken?
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