Die Modalverben im Deutschen

Die Modalverben im Deutschen

Die Verben dürfen, können, mögen/möchten, müssen, sollen und wollen werden Modalverben genannt. Diese Bezeichnung kommt dadurch zustande, dass Modalverben die Aufgabe haben, die Aussage eines Satzes zu modifizieren. Das bedeutet, Modalverben verändern die Bedeutung der Satzaussage, indem sie diese anpassen, abschwächen oder betonen.

Wie Modalverben die Satzaussage verändern

Insgesamt werden die Modalverben im Deutschen recht häufig verwendet. In den meisten Fällen stehen die Modalverben dabei zusammen mit dem Vollverb in einem Satz.

Das Vollverb ist das Verb, auf das sich das jeweilige Modalverb bezieht. Anstelle von Modalverben wird deshalb auch von modalen Hilfsverben gesprochen. Je nach verwendetem Modalverb wird das Geschehen mit Blick auf eine Möglichkeit, einen Wunsch, eine Aufforderung oder eine Verpflichtung ausgedrückt.

Zudem zeigt das Modalverb an, ob sich das Geschehen eigen- oder fremdbestimmt verändert. Welchen Einfluss Modalverben konkret auf die Aussage eines Satzes haben, wird durch ein Beispiel recht schnell deutlich:

Lisa probiert die schwarze Hose an. Lisa ist gerade dabei, die schwarze Hose anzuprobieren, um zu sehen, ob sie passt.
Lisa darf die schwarze Hose anprobieren. Lisa hat die Erlaubnis bekommen, die schwarze Hose anzuprobieren.
Lisa kann die schwarze Hose anprobieren. Wenn Lisa möchte, hat sie die Möglichkeit, die schwarze Hose anzuprobieren.
Lisa möchte die schwarze Hose anprobieren. Lisa hat den Wunsch, die schwarze Hose anzuprobieren.
Lisa muss die schwarze Hose anprobieren. Lisa hat keine andere Wahl, als die schwarze Hose anzuprobieren.
Lisa soll die schwarze Hose anprobieren. Lisa wurde dazu aufgefordert, die schwarze Hose anzuprobieren.
Lisa will die schwarze Hose anprobieren. Lisa beabsichtigt, die schwarze Hose anzuprobieren.

Möchten ist eigentlich die alte Vergangenheitsform von mögen. Im Laufe der Zeit hat sich möchten jedoch zu einem selbstständigen Modalverb entwickelt, das eine etwas andere Bedeutung hat als mögen:

Maria mag rote Rosen. = Maria findet rote Rosen schön und freut sich, wenn sie welche bekommt.

Maria möchte rote Rosen. =  Maria wünscht (sich) rote Rosen.

Wie die Modalverben im Deutschen konjugiert werden

Das Modalverb und das Vollverb treten in einem Satz meist gemeinsam auf und bilden zusammen das Prädikat dieses Satzes. Das Vollverb wird dabei im Infinitiv, also in seiner Grundform, verwendet und am Ende des Satzes positioniert. Das Modalverb wird gebeugt und drückt so die Person und die Anzahl aus. Es steht im Satz an der zweiten Stelle.

Wie alle anderen Verben können auch Modalverben verschiedene Zeitformen bilden und das Geschehen dadurch der Gegenwart, der Vergangenheit oder der Zukunft zuordnen:

·         Das Präsens setzt sich aus dem gebeugten Modalverb und dem Infinitiv des Vollverbs zusammen: Ich muss am Wochenende wegfahren. Du kannst den Termin absagen. Er darf sich nicht wundern. Sie wollen uns ein anderes Mal besuchen.

 

·         Für die Vergangenheit gibt es drei mögliche Zeitformen. Die erste Zeitform ist das Perfekt, das aus haben als Hilfsverb in der gebeugten Form sowie dem Vollverb und dem Modalverb im Infinitiv gebildet wird: Ich habe am Wochenende wegfahren müssen.

Du hast den Termin absagen können. Er hat sich nicht wundern dürfen. Sie haben uns ein anderes Mal besuchen wollen. Die zweite Zeitform ist das Plusquamperfekt. Das Plusquamperfekt wird ähnlich gebildet wie das Perfekt, nur wird das Hilfsverb haben im Präteritum verwendet: Ich hatte am Wochenende wegfahren müssen. Du hattest den Termin absagen können. Er hatte sich nicht wundern dürfen. Sie hatten uns ein anderes Mal besuchen wollen. Das Perfekt und das Plusquamperfekt klingen jedoch ein wenig umständlich.

Deshalb wird meist das Präteritum verwendet, wenn die Vergangenheit ausgedrückt werden soll. Gebildet wird das Präteritum, indem das Modalverb in der jeweiligen Personalform ins Präteritum gesetzt und durch den Infinitiv des Vollverbs ergänzt wird: Ich musste am Wochenende wegfahren. Du konntest den Termin absagen. Er durfte sich nicht wundern. Sie wollten uns ein anderes Mal besuchen.

 

·         Um die Zukunft ausdrücken, werden wieder das Vollverb und das Modalverb im Infinitiv verwendet, während werden als Hilfsverb die Person und die Anzahl angezeigt: Ich werde am Wochenende wegfahren müssen. Du wirst den Termin absagen können. Er wird sich nicht wundern dürfen. Sie werden uns ein anderes Mal besuchen wollen.

 

Normalerweise treten das Vollverb und das Modalverb zusammen auf. Ist der Zusammenhang klar oder die Situation eindeutig, reicht es aber manchmal auch aus, nur das Modalverb zu verwenden. Das weggelassene Vollverb kann in diesem Fall in Gedanken hinzugefügt werden:

Ich muss das hier noch fertig machen. Erst dann kann ich nach Hause (gehen).

Er möchte gerne einen Kaffee (trinken).

Sie hat Süßigkeiten gegessen, obwohl sie das nicht (tun) durfte.

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