Die Teilsprachen der deutschen Sprache

Übersicht: die Teilsprachen der deutschen Sprache

“Das ist kein richtiges Deutsch”, ist ein Kommentar, der immer wieder fällt, wenn Schüler, Lernende oder Gesprächspartner einen grammatikalischen Fehler gemacht haben. Nun ist es aber gar nicht so einfach, zu definieren, was dieses richtige Deutsch eigentlich ist. Genaugenommen ist die Bezeichnung deutsche Sprache nämlich eine Art Oberbegriff, der viele verschiedene Sprech- und Schreibweisen beinhaltet.

Gemeinsam ist dabei allen sprachlichen Varianten, dass sie mit dem Hochdeutsch oder der sogenannten Standardsprache einen gemeinsamen Bezugspunkt haben.

Die Teilsprachen der deutschen Sprache in der Übersicht

Zur deutschen Sprache gehört neben der Standardsprache eine Vielzahl unterschiedlicher Dialekte, Fach- und Sondersprachen. Nun wird aber nicht nur in den verschiedenen Lebens- und Arbeitsbereichen unterschiedlich Deutsch gesprochen, sondern es gibt auch Unterschiede zwischen der gesprochenen und der geschriebenen Sprache. Die deutsche Sprache ist somit ein Sammelsurium aus verschiedenen Teilsprachen.

Dabei lassen sich die Teilsprachen in fünf große Gruppen einteilen:

1. Gegliedert nach regionalen Gesichtspunkten = Dialekte

Dialekte sind Varianten der deutschen Sprache, die in den jeweiligen Regionen gesprochen werden. Im Deutschen wird anstatt des Begriffs Dialekt auch die Bezeichnung Mundart verwendet. Dabei deutet der Name Mundart schon darauf hin, dass Dialekte in erster Linie mündlich gebraucht werden, also als gesprochene Sprachen eine Rolle spielen. Die Namen der einzelnen Dialekte gehen meist auf alte Landesnamen oder auf die Volksstämme zurück, die die Regionen bewohnten und bewohnen.

Im Hinblick auf die Mundarten werden drei große Dialekträume voneinander unterschieden, nämlich das Nieder-, das Mittel- und das Oberdeutsche. Innerhalb dieser drei Dialekträume gibt es dann zahlreiche weitere Mundarten.

Soweit heute bekannt ist, wurde früher fast nur in Dialekten gesprochen und geschrieben. Gleichzeitig war die Schriftsprache lange Zeit den Klöstern und den Gelehrten vorbehalten. Verschiedene Faktoren führten dann dazu, dass sich aus den Dialekten allmählich eine Gemeinsprache entwickelte. So gab es mehrere Gesetze und Verordnungen zur geschriebenen Sprache. Entscheidend war aber auch die Erfindung des Buchdrucks. Es lag im Interesse der Drucker, überall im deutschen Sprachraum Abnehmer für ihre Werke zu finden, was in der Folge auch dazu führte, dass die Schriftsprache weiten Teilen der Bevölkerung zugänglich wurde.

Ein Meilenstein in diesem Zusammenhang ist Martin Luthers Bibelübersetzung, die als Fundament der Standardsprache gilt. Weitere Faktoren waren die Einführung der allgemeinen Schulpflicht, die Zulassung der deutschen Sprache als Unterrichtssprache an Universitäten und Schulen, die Entstehung des Zeitungswesens, die Industrialisierung und das Aufkommen diverser Massenmedien.

Die Gemeinsprache, die heute als die Standardsprache oder das Hochdeutsch bezeichnet wird, geht im Wesentlichen auf die mitteldeutschen Dialekte zurück. Dies ist auch der Grund dafür, weshalb in Norddeutschland, dem einstigen niederdeutschen Dialektraum, und in Süddeutschland, dem alten oberdeutschen Sprachraum, Dialekte bis heute deutlich stärker ausgeprägt sind als in der Mitte Deutschlands.

2. Gegliedert nach Sprachräumen = Arealsprachen

Die Grenzen der Dialekte, die auf alte Landes- und einstige Stammesgrenzen zurückgehen, stimmen mit den heutigen politischen Grenzen nicht überein. Mit Blick auf die heutigen Grenzen werden deshalb größere Sprachräume voneinander unterschieden. Dabei gibt es im Wesentlichen drei Sprachen, nämlich das Bundesdeutsche, das Österreichische und das Schweizerische.

Diese drei Sprachen werden als Arealsprachen bezeichnet. Der Begriff Arealsprache steht dabei für die deutsche Sprache, die in dem jeweiligen Sprachgroßraum gesprochen wird. Bundesdeutsch ist somit das Deutsch der alten und neuen Bundesländer, während beispielsweise Bayerisch ein Dialekt innerhalb dieses Sprachraums ist. Genauso ist Schweizerisch die Arealsprache der Schweiz, Schwyzerdütsch hingegen ein Dialekt.

3. Gegliedert nach gesellschaftlichen und sozialen Gruppen = Sondersprachen

Eine weitere Unterscheidung ergibt sich daraus, wer eine Sprache spricht. Je nach gesellschaftlicher Schicht, sozialer Gruppe und auch Sprechsituation wird die Sprache verschieden eingesetzt.

So haben Jugendliche untereinander meist ihre eigene Sprache und selbst innerhalb einzelner Gruppen entwickelt sich ein bestimmter Sprachgebrauch. Bei einem lockeren Gespräch an der Theke in einer Kneipe wird anders gesprochen als bei einem offiziellen Anlass. Ein Patient drückt sich anders aus als ein Arzt, ein Kind spricht anders als ein betagter Senior und ein einfacher Arbeiter wählt andere Worte als ein Akademiker. Die Sprachen, die die verschiedenen Gruppen sprechen, werden Sondersprachen oder Soziolekte genannt.

Sondersprachen spielen dabei in erster Linie als gesprochene Sprachen eine Rolle.

4. Gegliedert nach Arbeitsbereichen und Berufen = Fachsprachen

Fachsprachen kennzeichnen sich durch Elemente wie Formeln, Fachbegriffe, Kürzel und spezifische Ausdrücke. Meist sind Fachsprachen Sprachen, die in einem bestimmten Beruf oder Arbeitsbereich für die Verständigung untereinander genutzt werden. Viele Berufssprachen, beispielsweise im Handwerk, blicken dabei auf eine schon sehr lange Geschichte zurück.

Aber auch im Bereich der Wissenschaft werden Fachsprachen verwendet, um Phänomene und Inhalte, Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zu beschreiben und zu definieren. Fachsprachen teilen sich meist in eine Sprache, die am Arbeitsplatz gesprochen wird, und in eine Schriftsprache. Für die Schriftsprache existieren häufig klare Regelungen und Vorgaben, beispielsweise in Form von DIN-Normen.

Wörter aus Fachsprachen halten regelmäßig Einzug in die Standardsprache. Ein Beispiel hierfür ist das Wort Computer, das einst ein wissenschaftlich-technologisches Fachwort war und heute ganz selbstverständlich zum allgemeinen Wortschatz gehört.

Auch viele Redensarten und Sprichwörter gehen auf alte Fachausdrücke, häufig Begriffe aus alten Handwerken, zurück. Oft ist heute aber nur noch die Redensart bekannt, während es das Handwerk selbst gar nicht mehr gibt oder mittlerweile völlig andere Arbeitstechniken und Geräte zum Einsatz kommen. Andersherum bedienen sich auch die Fachsprachen der Standardsprache und entnehmen daraus Wörter, denen sie dann eine zusätzliche oder andere Bedeutung geben.

5. Gegliedert nach der Art des Gebrauchs = gesprochene und geschriebene Sprache

Im mündlichen Gebrauch wird die Sprache anders genutzt als beim Schreiben. So ist es in einem Gespräch möglich, seine Aussagen durch Betonungen, die Gestik und die Mimik zu unterstreichen. Es können jederzeit Rückfragen gestellt und Missverständnisse beseitigt werden, indem eine Aussage wiederholt, anders formuliert oder erklärt wird.

Außerdem werden beim Sprechen Gedanken ausgedrückt, was unter anderem Pausen, Einschübe, Nachträge und spontane Kommentare mit sich bringt. Hinzu kommt, dass es in der gesprochenen Sprache die sogenannte Umgangssprache gibt. Hierbei handelt es sich um einen alltäglichen Sprachgebrauch, der teils eigene Redewendungen und besondere grammatikalische Formen, manchmal auch vermischt mit Dialekten, enthält.

Im Unterschied zur gesprochenen Sprache spielt in der Schriftsprache ein korrekter Sprachgebrauch eine große Rolle. Der Leser erwartet einen stimmigen, verständlichen und grammatikalisch richtigen Text. Er kann keine Zwischen- oder Rückfragen stellen, wenn er etwas nicht verstanden hat.

Auch in der Schriftsprache gibt es einige Hilfsmittel, die zur Übersichtlichkeit, Lesefreundlichkeit und Verständlichkeit beitragen, beispielsweise Absätze, Zwischenüberschriften und ein entsprechender Sprachstil. Insgesamt werden an die Schriftsprache jedoch meist höhere Ansprüche gestellt als an die gesprochene Sprache.

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