Linguistik

Linguistik

Die Linguistik ist eine Wissenschaft, die sich unter verschiedenen Aspekten mit der Sprache beschäftigt. So erforscht die Linguistik die Sprache zunächst einmal als ein System, das sich aus verschiedenen Bestandteilen und Einheiten mit jeweils eigenen Bedeutungen zusammensetzt.

Daneben untersucht die Linguistik die Wurzeln, die Entstehung und die Entwicklung der Sprache sowie die verschiedenen Ausprägungen und Anwendungen der gesprochenen und der geschriebenen Sprache.

Das Erlernen einer Sprache, die Möglichkeiten, wie eine Sprache wahrgenommen wird, der Einsatz einer Sprache als Ausdrucksmittel sowie denkbare Kommunikationsstörungen sind ebenfalls Inhalte der linguistischen Forschung.

Der Begriff Linguistik

Das Wort Linguistik leitet sich vom lateinischen lingua für Sprache oder Zunge ab. Als Synonym für Linguistik wird im Deutschen häufig die Bezeichnung Sprachwissenschaft verwendet, mitunter wird auch von den Sprachwissenschaften im Plural gesprochen. Einerseits ist dies durchaus zulässig, denn die Erforschung der Sprache bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Ansatzpunkte und Forschungsfelder.

Zudem besteht eine große Nähe zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen, die ebenfalls die Sprache untersuchen. Teilweise gehen die einzelnen Disziplinen sogar ineinander über, so dass es nur bedingt möglich ist, klare Grenzen zu ziehen. Aus diesem Grund ist die Benennung der sprachwissenschaftlichen Disziplin nicht starr geregelt.

Andererseits wird oft ein grundsätzlicher Unterschied zwischen den beiden Begriffen festgestellt. So wird die Sprachwissenschaft als die Wissenschaft verstanden, die die Sprache im Kontext von Kultur und Gesellschaft sowie den Sprachgebrauch als solches untersucht.

Demnach besteht eine enge Beziehung zwischen der Sprachwissenschaft und der Philologie sowie der Literaturwissenschaft. Im Unterschied dazu wird die Linguistik als die wissenschaftliche Disziplin gesehen, die sich mit der Sprache als System befasst und die Strukturen sowie die verschiedenen Funktionen einer Sprache erforscht.

Innerhalb der Linguistik werden drei große Teilbereiche voneinander unterschieden. Zwei dieser Teilbereiche sind die Allgemeine Sprachwissenschaft und die Angewandte Sprachwissenschaft. Was den dritten Teilbereich angeht, fallen die Meinungen uneinheitlich aus.

So sehen die einen die Vergleichende Sprachwissenschaft, die anderen hingegen die Historische Sprachwissenschaft als dritte große Domäne der Linguistik. Die drei großen Teilbereiche gliedern sich dann noch einmal in eine Vielzahl kleiner Forschungsfelder und Arbeitsbereiche. Auch hier gibt es aber nicht nur inhaltliche und methodische Unterschiede, sondern auch keine einheitliche Zuordnung.

Die Herangehensweisen bei Forschungsfragen in der Linguistik

In der Linguistik lassen sich drei grundsätzliche Forschungsparadigmen voneinander unterscheiden, wenn es darum geht, sich der jeweiligen Fragestellung zu nähern:

Präskriptiv und deskriptiv

Die Präskription verfolgt das Ziel, prägende oder wiederkehrende Merkmale festzulegen und daraus eine These zu bilden. Diese These muss anschließend durch empirische Erhebungen oder ein Experiment gesichert werden. Ähnlich geht auch die Normation vor. Sie zielt darauf ab, allgemeingültige Regeln für einen Sachverhalt oder einen Gegenstand zu definieren. Im Unterschied zur Präskription nutzt die Normation aber vorhandene empirische Erkenntnisse und verallgemeinert diese zu einer normativen Aussage. Gemeinsam ist der Präskription und der Normation, dass sie beide Soll-Fragen stellen und den Soll-Zustand beschreiben.

Das Gegenstück ist die Deskription. Sie betrachtet einen Inhalt wertfrei und erforscht die Fakten mithilfe von Sein-Fragen. Im Ergebnis stellt die Deskription den Sein-Zustand dar. Anders als die Präskription oder Normation beschreibt die Deskription somit nicht, wie etwas sein soll, sondern wie etwas ist.

Präskriptive Arbeiten spielen im akademischen Bereich kaum eine Rolle, denn viele Wissenschaftler und Forschende weisen sie als unwissenschaftlich zurück. Normative Schriften finden durchaus Verwendung. Wichtig ist aber, dass normative und deskriptive Aussagen immer klar voneinander abgegrenzt werden.

Diachron und synchron

Bei einer diachronen Betrachtung wird ein sprachliches Phänomen mit Blick auf seine Entwicklung im Laufe der Zeit untersucht. Im Unterschied dazu beschreibt eine synchrone Betrachtung seinen Zustand zu einem bestimmten Zeitpunkt. Beschäftigt sich die Forschung beispielsweise mit dem Wort Literatur, könnte ein diachroner Ansatz ausführen, wie sich die Bedeutung des Wortes Literatur im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelt hat. Ein synchroner Ansatz hingegen würde das Bedeutungsspektrum des Wortes Literatur im 19. Jahrhundert erläutern.

Generell eignen sich sehr viele sprachliche Phänomene für Untersuchungen aus historischer Sicht. In der akademischen Linguistik beschränken sich diachrone Forschungen jedoch auf wenige Sachbereiche, beispielsweise auf die Veränderungen im Wortschatz oder die Verschiebungen von Lauten und Bedeutungen bei Wörtern. Ein Grund hierfür ist, dass die Erforschung der historischen Dimension stark davon abhängt, ob und in welchem Umfang entsprechende Quellen existieren.

Naturwissenschaftlich und sozialwissenschaftlich

In dieser Dimension geht es um die Frage, ob die Sprache als Ausdrucksform aus naturwissenschaftlicher oder aus sozialwissenschaftlicher Sicht betrachtet werden soll. Je nach Definition des Begriffs Sprache können dabei neben der Sozialwissenschaft auch die Kulturwissenschaft oder die Philologie den Gegenpart zur Naturwissenschaft bilden.

Eine naturwissenschaftliche Herangehensweise könnte beispielsweise der Frage nachgehen, wie bestimmte Laute ausgesprochen werden, wenn bei den Sprechern Stimmstörungen vorliegen. Ein sozialwissenschaftlicher Ansatz hingegen könnte untersuchen, wie Sprecher aus verschiedenen sozialen Schichten bestimmte Laute aussprechen.

Viele sprachliche Phänomene lassen sowohl eine diachrone als auch eine synchrone Herangehensweise zu. Die Entscheidung für eine naturwissenschaftliche oder eine sozialwissenschaftliche Betrachtung hingegen fordert, ebenso wie die normative oder deskriptive Dimension, eine Entweder-oder-Entscheidung. Gleichzeitig hat die Perspektive dann auch großen Einfluss auf die Auswahl geeigneter Untersuchungsmethoden.

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