Niederdeutsche Sprache

Niederdeutsche Sprache

 

Die niederdeutsche Sprache wird die Sprache genannt, die im Norden Deutschlands und im Osten der Niederlande verbreitet ist. Auch als Plattdeutsch bezeichnet, hat sich die niederdeutsche Sprache aus dem Altsächsischen entwickelt und weist bis heute eine Vielzahl unterschiedlicher Dialekte auf.

Die niederfränkischen Mundarten, die am Niederrhein und in den Niederlanden beheimatet sind, wurden früher ebenfalls dem Niederdeutschen zugeordnet und auch bei ihren Mundarten wird vom Platt gesprochen.

 

Die niederdeutsche Sprache und die Dialekte

Viele, die die deutsche Sprache neu lernen oder sich einmal intensiver mit dem Deutschen beschäftigen, sind überrascht, wie unterschiedlich in Deutschland gesprochen wird. Bei einigen der Sprechweisen handelt es sich um Umgangssprache, andere Sprechweisen sind Dialekte und manchmal ergibt sich eine Sprechweise auch aus der Mischung aus Umgangssprache und Dialekt. Dialekte sind Spielarten der deutschen Sprache, die in bestimmten Regionen üblich sind.

Im Deutschen wird anstelle von Dialekten auch von Mundarten gesprochen, was darauf hinweist, dass Dialekte in erster Linie in der gesprochenen, mündlichen Sprache eine Rolle spielen. Dies war allerdings nicht immer so.

Die Namen der einzelnen Dialekte gehen auf alte Landesnamen oder auf Volksstämme, die in den Regionen leben oder lebten, zurück. Generell wurden dabei drei große Sprachräume voneinander unterschieden, nämlich das Niederdeutsche, das Mitteldeutsche und das Oberdeutsche. Nachdem lange Zeit so geschrieben wie gesprochen wurde und Texte somit größtenteils in Dialekten vorlagen, entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Gemeinsprache. Diese Gemeinsprache wird heute Hochdeutsch genannt, an Schulen gelehrt und als Standardsprache beim Schreiben verwendet.

Bei der Entwicklung der Gemeinsprache, für die Martin Luthers Bibel aus dem Jahre 1522 die Grundlage schaffte und die durch zahlreiche Gesetze, Reformen und auch veränderte Lebensbedingungen beeinflusste wurde, wurde zunächst das Mittel- und Oberdeutsche klar vom Niederdeutschen abgegrenzt.

Das Hochdeutsche als überregionale Standardsprache entstand dann im Wesentlichen aus den mitteldeutschen Dialekten. Gleichzeitig blieben im Süden Deutschlands, dem ehemals oberdeutschen Dialektraum, zahlreiche Mundarten erhalten und auch in Norddeutschland wird weiterhin Plattdeutsch gesprochen.

Dabei wird die niederdeutsche Sprache heute in die westniederdeutschen und die ostniederdeutschen Dialekte aufgeteilt:

·         Das Westniederdeutsche wird auch Niedersächsisch genannt und im westlichen Norddeutschland gesprochen. Es umfasst das Nordwestniederdeutsche mit den schleswigschen, holsteinischen und nordniedersächsischen Dialekten, das Ostfriesische, das Westfälische und das Ostfälische.

 

·         Das Ostniederdeutsche wird in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Teilen Sachsen-Anhalts gesprochen. Außerdem war es früher in Pommern, Ost- und Westpreußen sowie dem Memelland verbreitet. Das Ostniederdeutsche umfasst die märkischen, mecklenburgerisch-vorpommerschen, ostpommerschen und niederpreußischen Dialekte. 

 

Die Verbreitung der niederdeutschen Sprache

Die Anzahl derjenigen, die das Niederdeutsche gut bis sehr gut beherrschen und aktiv sprechen, wird in Deutschland auf etwa vier bis sechs Millionen geschätzt. Werden diejenigen, die die Sprache mäßig gut beherrschen sowie diejenigen, die außerhalb Deutschlands leben, hinzuaddiert, dürfte sich die Anzahl nahezu verdoppeln. Ähnlich hoch wird die die Zahl derjenigen geschätzt, die das Niederdeutsche selbst nicht sprechen, aber verstehen.

Im Rahmen der Sprachencharta des Europarats ist die niederdeutsche Sprache in den Niederlanden und in Deutschland sowohl offiziell anerkannt als auch geschützt. Entsprechende Regelungen hierzu traten in Deutschland 1999 in Kraft. So ist in einigen Bundesländern mittlerweile gesetzlich geregelt, dass das Niederdeutsche nicht diskriminiert werden darf.

In Schleswig-Holstein beispielsweise wird die Rechtsauffassung vertreten, dass die Bezeichnung Deutsche Sprache sowohl das Hochdeutsche als auch das Niederdeutsche einschließt und das Niederdeutsche folglich als Teil der deutschen Sprache ebenso eine Amtssprache ist wie das Hochdeutsche. Aus diesem Grund sind die Behörden in Schleswig-Holstein dazu verpflichtet, Anträge und Anfragen zu bearbeiten, die auf Plattdeutsch verfasst sind. Im Gegenzug darf die Antwort der Behörden ebenfalls auf Plattdeutsch erfolgen. 

In der Wissenschaft wiederum gibt es schon seit jeher eine eigene Philologie, die sich mit dem Niederdeutschen beschäftigt und sich klar von der übrigen deutschen Philologie abgrenzt. Hintergrund hierfür ist, dass die Mehrheit der niederdeutschen Muttersprachler und Sprecher seit jeher davon überzeugt ist, dass es sich bei der niederdeutschen Sprache um eine eigenständige Sprache handelt. Tatsächlich verfügt die niederdeutsche Sprache über einen eigenen Wortschatz und eine eigenständige Grammatik, die erhebliche Unterschiede zum Hochdeutschen aufweisen, in Teilen aber mit dem Niederländischen übereinstimmen.

 

Der Ruf der niederdeutschen Sprache

Ingesamt gilt die niederdeutsche Sprache als eine gemütliche und heimelige Sprache, die lange Zeit privaten Gesprächen zwischen den sogenannten kleinen Leuten vorbehalten war und in erster Linie bei leichten und heiteren Themen zur Anwendung kommt.

So wurde und wird in den Landtagen der norddeutschen Bundesländer gelegentlich auf Niederdeutsch debattiert, was tatsächlich zu einer heitereren und versöhnlicheren Stimmung zu führen und mehr Nähe und Vertrautheit zwischen den Gesprächspartnern zur Folge zu haben scheint.

Allerdings bleibt der Gebrauch der niederdeutschen Sprache auf weniger wichtige Themen beschränkt. Ähnlich sieht es im Bereich der Literatur und Theaterkunst aus. Zwar gibt es durchaus anspruchsvolle Theaterstücke mit ernstem Hintergrund und sehr seriöse Literatur. Ein Beispiel hierfür ist Thomas Manns „Die Buddenbrooks“, wo entscheidende Stellen im Lübecker Niederdeutsch verfasst sind. Trotzdem möchte das Publikum lieber leichte, heiter-unterhaltsame Themen in der niederdeutschen Literatur und Theaterkunst behandelt wissen, während es ernste Themen dem Hochdeutschen überlässt.

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