Wie geht Smalltalk?

Wie geht Smalltalk?

Wer eine Sprache lernen möchte, muss sich zwar auch mit der Theorie beschäftigen. Neben Grammatik und Vokabeln führt aber kein Weg am aktiven Sprechen vorbei. Doch auch diejenigen, die eine Sprache beherrschen, kommen immer wieder in Situationen, in denen sie spontan eine Unterhaltung mit einer oft fremden Person führen müssen.

Solche kleinen Plaudereien und unverbindlichen Alltagsgespräche werden neudeutsch als Smalltalk bezeichnet. Der Smalltalk dient dazu, mit jemandem ins Gespräch zu kommen, eine Situation aufzulockern oder eine Wartezeit zu überbrücken. Dabei geht es nicht unbedingt um tiefsinnige und bedeutungsschwere Unterhaltungen auf hohem Niveau.

Beim Smalltalk werden stattdessen eine paar lockere Sätze über eher allgemeine Themen gewechselt. Es wird also entspannt und mehr oder weniger belanglos geplaudert. Insofern kann Smalltalk ein idealer Türöffner in den verschiedensten Situation und gleichzeitig eine prima Gelegenheit sein, um eine neu erlernte Sprache aktiv einzusetzen.

Nur: Wie geht Smalltalk?
Was gilt es zu beachten?
Und was sind mögliche Stolperfallen?

Wann ist Smalltalk angemessen?

Eine Begegnung mit einem flüchtigen Bekannten im Supermarkt, ein Treffen mit einem Arbeitskollegen im Fahrstuhl oder in der Kaffeeküche, der erste Arbeitstag, eine Party mit vielen unbekannten Gästen oder die erste Stunde beim Sprachkurs – all das sind typische Smalltalk-Situationen. Generell bietet sich ein kurzes Plaudern immer dann an, wenn es gilt, mit anderen ins Gespräch zu kommen oder eine Situation aufzulockern.

Zudem hat jeder meist ohnehin im Gefühl, ob es gerade angemessen ist, ein paar Sätze mit dem Gegenüber zu wechseln, oder ob nicht. Wenn ein Arbeitskollege beispielsweise konzentriert auf den Bildschirm schaut und in eine Aufgabe vertieft ist, wird wohl kaum jemand auf die Idee kommen, ihn anzuquatschen.

Steht dieser Kollege hingegen gerade vor dem Drucker und wartet auf seine Kopien, wird er sicher nichts dagegen haben, die Wartezeit mit einem netten Gespräch zu überbrücken. Sogar Vorstellungsgespräche beginnen meist mit einem kurzen Smalltalk. Hintergrund hierfür ist, dass der Personaler auf diese Weise die angespannte Situation auflösen, dem Bewerber die Nervosität nehmen und eine angenehme Gesprächsatmosphäre schaffen möchte.

Insgesamt kann beim Versuch, ein unverbindliches Plaudern zu beginnen, eigentlich nicht viel schiefgehen. Hat der Angesprochene keine Lust auf Smalltalk, wird er sich auf die Unterhaltung nämlich nicht einlassen. Insofern ist die Angst, jemanden vor den Kopf zu stoßen oder in eine unangenehme Situation zu bringen, letztlich unbegründet.

Gibt es Tipps für einen gelungenen Smalltalk?

Während es den einen sehr schwerfällt, auf andere zuzugehen und sie anzusprechen, sind andere echte Naturtalente in Sachen Smalltalk. Generell gilt auch für den Smalltalk, dass Übung den Meister macht. Je häufiger jemand einfach so und ganz spontan ein nettes, kleines Gespräch mit einem anderen geführt hat, desto leichter wird er sich mit den Alltagsplaudereien tun.

Dennoch gibt es kein allgemeingültiges Patentrezept, wie Smalltalk gelingt. Schließlich sind an der Unterhaltung zwei oder mehr Menschen beteiligt und jeder tickt anders. Hinzu kommt die jeweilige Situation, die den Gesprächsverlauf ebenfalls beeinflusst.

Allerdings gibt es durchaus Tipps, die dabei helfen können, die Scheu abzulegen und Sicherheit zu gewinnen:

  • Einfach anfangen! Viele tun sich schwer damit, einen Fremden aus dem Nichts heraus anzusprechen. Unsicherheit, Scham oder auch die Angst, etwas Falsches zu sagen, können Gründe dafür sein. Ein Tipp, der eigentlich recht banal klingt, ist deshalb, den Smalltalk einfach zu beginnen. Es macht keinen Sinn, sich vorab Sätze zurechtzulegen oder lange über das mögliche Gespräch nachzudenken.
  • Der Smalltalk lebt von der Spontaneität und der Unverfänglichkeit. Wer beispielsweise an der Bushaltestelle steht, kann bemerken, dass der Bus heute wieder ganz schön lange auf sich warten lässt. Oder dass der Bus heute, bei diesem unangenehmen Wetter, hoffentlich pünktlich kommt. Steigt der Angesprochene in das Gespräch ein, wird sich eine nette Plauderei entwickeln. Auch harmlose Fragen, etwa nach der Uhrzeit, nach einem Weg oder nach einem gerade gespielten Song, können gute Aufhänger sein. Alles andere ergibt sich dann ohnehin aus der Situation heraus.
  • Kleine Schritte. Die wenigsten kommen als Plauderkünstler und Rhetorikgenies zur Welt. Um zu üben und erste Erfahrungen zu sammeln, ist es deshalb besser, sich nicht gleich den ganz großen Herausforderungen zu stellen. Den Chef oder den Wunschpartner anzuquatschen, erfordert Mut und setzt eine gewisse Sicherheit voraus. Einfacher wird es da schon sein, mal eben mit dem Nachbarn im Treppenhaus, der Verkäuferin beim Bäcker um die Ecke, dem Kellner im Lieblingscafé oder dem Arbeitskollegen vom Nachbarbüro zu plaudern.
  • Freundlich und ungezwungen. Ein Smalltalk soll eine nette, ungezwungene und lockere Unterhaltung zwischendurch sein. Die Beteiligten sollen sich wohlfühlen und einfach ein wenig plaudern, ohne großartig darüber nachzudenken. Wichtig ist deshalb, dass die Stimmung freundlich und die Themen eher allgemein bleiben. Sehr persönliche Themen und intime Details sind für Smalltalk daher genauso ungeeignet wie Themen, die großes Diskussions- und Streitpotenzial bieten.
  • Unverfänglich, aber nicht oberflächlich. Smalltalk wird häufig als leeres und überflüssiges Geschwätz abgetan, das bestenfalls dazu dient, ein gegenseitiges Anschweigen zu vermeiden. Tatsächlich kann Smalltalk aber das Eis brechen, eine angenehme Atmosphäre schaffen und dabei helfen, Kontakte zu knüpfen.
  • Natürlich bleibt ein kurzer Smalltalk eher oberflächlich und bietet keinen Rahmen für tiefsinnige, hochphilosophische Gespräche. Darauf zielt Smalltalk allerdings auch nicht ab. Smalltalk versteht sich vielmehr als ein möglicher Türöffner, der die Basis für ein näheres Kennenlernen schaffen kann.

     

    Welche Fehler sollten beim Smalltalk vermieden werden?

    Wenn sich beide Gesprächspartner auf die Unterhaltung einlassen und dem Gespräch die Chance geben, sich spontan zu entwickeln, kann beim Smalltalk nicht viel schiefgehen. Nach ein paar ausgetauschten Sätzen ist der Smalltalk meist ohnehin auch schon wieder vorbei.

 

Trotzdem gibt es zwei große Stolperfallen, die es beim Smalltalk zu umschiffen gilt:

 

  1. Ungeeignete Themen:

Einige Themen passen einfach nicht zu einer netten, unverfänglichen Plauderei. Zu diesen Themen gehören die Politik, die Religion und die Finanzen. Gleiches gilt für sehr persönliche Infos oder Probleme, Gerüchte und Tratsch sowie böse Lästereien. Eine Grundregel für einen gelungenen Smalltalk lautet, dass keine Themen angesprochen werden sollten, die üblicherweise auf sehr gegenteilige Meinungen treffen, zu ernsthaften Diskussionen einladen, Streit hervorrufen oder den Gesprächspartner in eine unangenehme Situation bringen.

Der Smalltalk soll ein angenehmer Austausch sein, bei dem eine gewisse Distanz gewahrt bleibt. So ist es beispielsweise natürlich erlaubt, sich nach dem Partner und den Kindern, der Gesundheit oder dem Beruf zu erkundigen.

Detaillierte Nachfragen und bissige Kommentare sind jedoch tabu. Auch gutgemeinte Ratschläge oder Anekdoten aus dem eigenen Leben, die den Gesprächspartner in einem eher ungünstigen Licht erscheinen lassen, sind mit Vorsicht zu genießen.

Monolog statt Dialog: Der Smalltalk ist ein Gespräch, an dem mindestens zwei Personen beteiligt sind. Wenn sich einer als Alleinunterhalter aufführt, endlose Reden schwingt, grundsätzlich alles besser kann und weiß und den oder die anderen erst gar nicht zu Wort kommen lässt, ist die Idee verfehlt. Eine Plauderei kann sich nur dann entwickeln, wenn die Beteiligten Interesse an ihrem Gegenüber zeigen und sich an der Unterhaltung beteiligen.

Zudem ist der Smalltalk von Anfang an zum Scheitern verurteilt, wenn er aufgesetzt und bemüht wirkt, statt ungezwungen zu sein und Spaß zu machen.

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Veröffentlicht von

Marlies Giesa

Geboren 1968, habe ich teilweise über die Jahre im In- und Ausland das Fach Deutsch unterrichtet. Ich liebe die deutsche Sprache und möchte das Wissen gerne an Schüler, Ausländer, Studenten und Interessierten weitergeben. Ich hoffe meine Übungen und Anleitungen werden ihnen helfen oder sie unterstützen.

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