Die Entwicklung des Deutschunterrichts

Die Entwicklung des Deutschunterrichts

 

Heute ist es ganz selbstverständlich, dass an deutschen Schulen das Fach Deutsch auf dem Stundenplan steht. Doch das war keineswegs immer so. Und auch die Gestaltung des Deutschunterrichts, sowohl im Hinblick auf die Inhalte als auch auf die Zielsetzungen, hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert. Grund genug, sich einmal näher mit der Entwicklung des Deutschunterrichts zu beschäftigen.

 

Der Deutschunterricht im 17. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert spielte die Literatur in einigen Ländern Europas eine bedeutende Rolle. So machten Dichter wie beispielsweise der Engländer Shakespeare, der Franzose Molière oder der Spanier de Cervantes von sich reden. Auch in Deutschland gab es die ersten berühmten Dichter.

Literaten wie Gryphius oder Opitz brachten mit ihren schwermütigen und von Metaphern geprägten Versen den damaligen Zeitgeist zum Ausdruck. Der Dreißigjährige Krieg steckte den Menschen noch in den Knochen und der Tod war allgegenwärtig. Gleichzeitig war die Sehnsucht nach Leben, Lebensfreude, Ausgelassenheit und Wohltaten für die Sinne groß. Prunk und Reichtum blieben jedoch dem Adel vorbehalten, während die Bevölkerung größtenteils verarmt war. Aus diesem Grund spielte auch die Literatur hauptsächlich in den Adelshäusern eine Rolle. 

Insgesamt galt die deutsche Sprache aber als minderwertig, fast schon barbarisch. Selbst die Gelehrten in Deutschland mieden die Sprache. Stattdessen wurde in den Häusern der Adligen Französisch gesprochen, die Geschäftssprache der Kaufleute war Englisch und die Gelehrten arbeiten und kommunizieren in Latein. An vielen Gymnasien war die deutsche Sprache gänzlich verboten.

Es gab zwar ein paar Volksschulen, an denen Deutschunterricht stattfand. Die Zielsetzung dieses Unterrichts bestand aber darin, die Schüler zu Gehorsam und Frömmigkeit zu erziehen. Deshalb wurden im damaligen Deutschunterricht letztlich nur Formeln aus der Bibel Luthers und passende Antworten vermittelt. Trotzdem wurden schon in dieser Zeit die ersten Sprachgesellschaften gegründet.

Sie wollten erreichen, dass die deutsche Sprache den anderen europäischen Sprachen gleichgestellt und gepflegt wird. Johan Amos Comenius formulierte erstmals die Forderungen nach einer einheitlichen Muttersprachenschule.

 

Der Deutschunterricht im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert lebten große Teile der Bevölkerung in einfachsten Verhältnissen, ihr Status ging oft über den von Leibeigenen nicht hinaus. Auf der anderen Seite brach vor allem in den Städten die moderne Zeit an. So widmeten sich die Bürger dem Handel und erlangten dadurch nicht nur Reichtum, sondern auch Macht.

Sie widersetzten sich der Vormachtstellung des Adels und wollten nicht länger akzeptieren, dass Literatur und die anderen schönen Künste nur dem Adel vorbehalten sein sollten. Geleitet von einem neuen Weltbild und dem Glauben an die Vernunft und an die Gleichheit aller Menschen, entstanden die ersten Werke, die das Leben des Bürgertums thematisierten. Bis dahin war Literatur üblich gewesen, die einem Loblied auf die Fürsten glich.  

Mit diesem Wandel erhielt auch die deutsche Sprache einen neuen Stellenwert. Statt einer komplizierten und metaphernreichen Sprache gingen die Bemühungen hin zu einer klaren, einfachen und für jeden verständlichen Ausdrucksweise. Gleichzeitig wurde der Deutschunterricht zu einem festen Bestandteil im Unterrichtsplan der oberen Schulen.

Die Schüler lernten den richtigen Umgang mit ihrer Muttersprache, das Schreiben von Briefen und wurden in die Redekunst eingewiesen. Als Vorbilder diente Literatur, unter anderem Werke von Lessing. An den Volksschulen wurde der Deutschunterricht genutzt, um die Schüler in Sachen Moral zu erziehen. Gleichzeitig entstand mit dem Kinder- und Jugendbuch eine neue Literaturform.

 

Der Deutschunterricht zu Zeiten der Aufklärung

Im Laufe des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die deutsche Sprache zu einem Instrument, mit dem kommuniziert und Werte wie Vernunft, Erkenntnis oder Denkweisen ausgedrückt werden konnten. Die neue Strömung erreichte aber nur einen kleinen Teil der Bevölkerung und am Ende des 18. Jahrhunderts konnte über ein Drittel der Deutschen noch immer weder lesen noch schreiben.

Auch auf das Bildungssystem als solches hat die Epoche der Aufklärung keinen maßgeblichen Einfluss. Dennoch etablierte sich der Deutschunterricht immer stärker an den Schulen. Die deutsche Sprache wiederum entwickelte sich zur Sprache der Wissenschaft und die Literatur wurde auch im Bürgertum zu einer Form der deutschen Kunst und Kultur.

Mit zeitlicher Verzögerung zu anderen Ländern Europas erlebte die deutsche Literatur eine große Blütezeit. Dichter und Schriftsteller genossen hohes Ansehen. Schließlich waren sie in der Lage, die Natur, das Leben und die Gefühle in freien und mitreißenden Worten zu beschreiben. Das Kennen der großen literarischen Werke war ein Muss für diejenigen, die nicht als ungebildet gelten wollten. Bis heute ist die Literatur dieser Zeit, der Klassik, ein fester Bestandteil des Deutschunterrichts. Zwei ihrer berühmtesten Vertreter sind Goethe und Schiller. 

 

Der Deutschunterricht im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wurde in Deutschland die Schulpflicht eingeführt. Damit wurde dann auch flächendeckend Deutsch unterrichtet. Allgemeine Volksschulen an allen Orten, einheitliche Bildungswege und das Fach Deutsch als Hauptfach und Grundlage des Schulsystems sollten zu den Instrumenten der Volksbildung werden. Die Politik führte jedoch zu einer anderen Entwicklung.

Ihr Ziel bestand nicht darin, die Schüler zu aufgeklärten und mündigen Bürgern mit eigener Meinung zu erziehen. Sie wollte die Schüler stattdessen zu Untertanen heranwachsen sehen, die ihrem Kaiser gehorsam und ihrem Vaterland treu ergeben waren. Deshalb wurde die deutsche Sprache eher zum Symbol für eine nationale Einheit.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden auch die ersten verbindlichen Regeln der deutschen Sprache. Vor allem der Schriftsprache wurde viel Aufmerksamkeit geschenkt, bis sich etwa in der Mitte des Jahrhunderts die sogenannte Standardsprache mit einem festen Grammatik– und Rechtschreibregelwerk etabliert hatte. Der Deutschunterricht seinerzeit folgte diesen Ansätzen.

So mussten die Schüler im Grammatikunterricht Rechtschreib- und Grammatikregeln üben, während sie im Literaturunterricht klassische Werke auswendig lernten. Die Bemühungen sollten dann auch Früchte zeigen, denn am Ende des Jahrhunderts gab es in Deutschland kaum noch Analphabeten. Trotzdem konnten die unteren Gesellschaftsschichten nur bedingt von dieser Entwicklung profitieren.

An den Volksschulen stand die Standardsprache nämlich nur selten auf dem Lehrplan. Folglich behielten die Kinder und jungen Erwachsenen ihre Dialekte bei, was gleichzeitig ihren sozialen Hintergrund widerspiegelte und einen gesellschaftlichen Aufstieg nahezu unmöglich machte.

 

Der Deutschunterricht im 20. Jahrhundert

Der Deutschunterricht im 19. Jahrhundert war darauf ausgelegt, die Schüler zum Deutschtum zu erziehen. In allen Schulformen ging es darum, die Schüler auf ihr Vaterland einzuschwören, ihre Treue zum Kaiser zu stärken, die Größe des deutschen Volkes zu vermitteln und die Freuden erfolgreich geführter Kriege zu lehren.

Redegewandtheit, ein gekonnter Umgang mit der deutschen Sprache oder eigenständiges Denken gehörten hingegen nicht zu Inhalten, die die Schüler lernen sollten. Im Deutschunterricht wurden ausschließlich literarische Werke behandelt, die über die deutsche Kultur und Geschichte erzählten. Alle Werke, die nicht als typisch deutsch galten, wurden ersatzlos gestrichen, darunter auch die Arbeiten von beispielsweise Heine. Diese Ausrichtung erlebte im Dritten Reich ihren traurigen Höhepunkt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zwei große Prioritäten. So sollten zum einen das nationalsozialistische Gedankengut aus dem Bildungswesen gelöscht und die Schüler zum anderen zur Demokratie erzogen werden. Dies machte es notwendig, den Deutschunterricht komplett neu auszurichten.

Der Grammatikunterricht konnte zwar unverändert fortgeführt werden, für den Literaturunterricht mangelte es aber an Büchern und auch Ideen. Literatur von Schriftstellern, die im Exil lebten, wurde ebenso wenig in Betracht gezogen wie moderne Literatur. Stattdessen erfolgte eine Rückbesinnung auf die klassische Literatur. Erst in den 1960er-Jahren fanden die Werke von Schriftstellern wie Brecht, Dürrenmatt oder Frisch Einzug in den Deutschunterricht. Zur gleichen Zeit wurde die Didaktik als Lehrfach an den Universitäten eingeführt.

Der Deutschunterricht heute

Ab den 1970er-Jahren kehrte der Anspruch, Schülern Werte wie Toleranz, Kommunikationsfähigkeit und Mündigkeit zu vermitteln, zurück in den Deutschunterricht. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Auch jetzt ist der Deutschunterricht bestrebt, die Schüler auf ihrem Weg zu frei denkenden, mündigen, toleranten und demokratisch orientierten Persönlichkeiten zu begleiten.

Auch die Rechtschreibung und die Grammatikregeln stehen nach wie vor auf dem Lehrplan. Statt Gedichte auswendig zu lernen, sollen die Schüler aber lernen, sich eigenständig mit Themen zu beschäftigen, Werke zu interpretieren und Aufsätze, Erörterungen oder Kurzgeschichten zu schreiben. 

Gleichzeitig sieht sich der Deutschunterricht nach wie vor mit diversen Herausforderungen konfrontiert, die dazu führen, dass er mit der Zeit gehen und sich kontinuierlich weiterentwickeln muss. So wurden beispielsweise die lange Zeit geltenden Regeln der Rechtschreibung durch mehrere Reformen auf den Kopf gestellt. Um die Kultur und die Tradition aufrechtzuerhalten, findet vielerorts eine Rückbesinnung auf Dialekte statt.

Hinzu kommt der Wandel der Gesellschaft. So versammeln sich in einem Klassenzimmer nicht selten Kinder aus zahlreichen Nationen, die Deutsch teils nicht als Muttersprache sprechen, sondern als Zweitsprache neu lernen müssen. Fernsehen und Computer führen dazu, dass Kinder heute immer weniger lesen und mit klassischer Literatur oft nur wenig anzufangen wissen. Auch das Schreiben von Briefen und generell das Schreiben von Hand scheint allmählich auszusterben. Einfluss hat sicher außerdem, dass das traditionelle Familienmodell mit der früher üblichen Rollenverteilung zunehmend selten wird.

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