Was sind Dialekte?

Was sind Dialekte?

 

In Deutschland wird deutsch gesprochen. Gleichzeitig sprechen sehr viele Menschen aber einen Dialekt. Wenn nun beispielsweise ein waschechter Ostfriese, ein Bayer, ein Kölner, ein Schwabe und ein Sachse aufeinandertreffen und sie alle in ihrer ureigenen Mundart sprechen, kann es durchaus passieren, dass es mit der Verständigung recht schwierig wird.

Ein Außenstehender wiederum wird außer irgendwelchen Zisch- und Murmellauten vermutlich kaum etwas verstehen. In vielen Fällen ist der Dialekt also die eigentliche Muttersprache, während das Hochdeutsche der allgemeinen Verständigung dient. 

 

Was sind Dialekte?

Bei einem Dialekt handelt es sich um ein eigenständiges Sprachsystem mit einem eigenen Wortschatz und eigenen Regeln in Sachen Aussprache und Grammatik. Einige Dialekte werden in größeren Gebieten gesprochen und verstanden, andere Dialekte beschränken sich auf kleinere Regionen oder sogar nur auf bestimmte Ortschaften.

Das Wort Dialekt selbst leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet übersetzt soviel wie Gespräch oder Redensweise von Gruppen. Die Römer nahmen die Vokabel in ihren Wortschatz auf und verwendeten sie im gleichen Sinne.

Bis zum Ende des Mittelalters nutzten die Gelehrten und die Geistlichen die lateinische Sprache. Im Unterschied dazu sprach die Bevölkerung in Dialekten, die je nach Region sehr unterschiedlich sein konnten. Diese sprachlichen Unterschiede gewannen aber erst mit Luther und seiner Übersetzung der Bibel an Bedeutung.

Es stellte sich nämlich die Frage, welche Sprache für die Bibelübersetzung gewählt werden sollte, damit die Bibel in ganz Deutschland verstanden werden würde. Neben Luther hatten auch die Buchdrucker ein großes Interesse an einer einheitlichen Sprache, denn wenn die Bibelübersetzung überall verständlich wäre, würde dies auch die Auflage erhöhen.

Gleichzeitig hielt das Wort Dialekt Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch, später setzte sich der Begriff auch in den Sprachwissenschaften durch. Erst in den 1930er-Jahren störten sich die Nationalsozialisten an der griechisch-lateinischen Vokabel. Um die Verbundenheit mit der Heimat zum Ausdruck zu bringen, sprachen sie stattdessen von Mundarten.

   

Wie haben sich die Dialekte entwickelt?

Im germanischen Sprachraum haben sich schon sehr früh regionale und lokale Dialekte herausgebildet. Eine erste deutliche Abgrenzung fand durch die sogenannte Erste Lautverschiebung statt. Dabei trennten sich die frühen germanischen Sprachen, zu denen das Altsächsische, das Altnordische, das Gotische und das Altenglische gehören, von den indogermanischen Sprachen.

Allerdings gibt es aus der Zeit bis zum 6. Jahrhundert nach Christus kaum schriftliche Aufzeichnungen. Deshalb ist es nur bedingt möglich, die Entwicklung der einzelnen Dialekte genau nachzuvollziehen. Hinzu kommt, dass lange Zeit das Lateinische als Schriftsprache verwendet wurde.  

In 600 und 800 fand die Zweite Lautverschiebung statt. Sie unterteilte die deutschen Regionalsprachen in hochdeutsche und in niederdeutsche Dialekte. In der südlichen Hälfte Deutschlands, in der die mittel- und oberdeutschen Dialekte gesprochen wurden, verschoben sich vor allem die Konsonanten p, t und k. Aus dem p wurde ein pf oder f, das t verwandelte sich in ein s oder z und das k verschob sich in Richtung ch. So wurde beispielsweise aus dem Appel der Apfel und aus dem Water das Wasser.

Nach der Zweiten Lautverschiebung galten die mittel- und die oberdeutschen Dialekte als die hochdeutschen Dialekte. Deshalb wird die Zweite Lautverschiebung auch die Hochdeutsche Lautverschiebung genannt. Die Regionalsprachen in der nördlichen Hälfte Deutschlands vollzogen die Lautverschiebung nicht. Sie wurden fortan als niederdeutsche Dialekte bezeichnet. Im Laufe der Zeit bildeten dann alle Dialekte ihre eigenen Besonderheiten heraus.

 

Wie sieht es heute mit Dialekten aus?

Mit der Verbreitung von Büchern und der Entwicklung, dass immer mehr Menschen lesen lernten, etablierte sich die Standardsprache. Zunächst war sie eine reine Schriftsprache. Den entscheidenden Anstoß hierfür gab Martin Luther mit seiner Übersetzung der Bibel.

Die Schriftsprache, die er für die Bibelübersetzung verwendete, wurde vor allem in den protestantischen Regionen zur Richtlinie. Zudem hatte der Buchdruck großen Einfluss auf die Vereinheitlichung der deutschen Regionalsprachen. Den Buchdruckern war es ein großes Anliegen, ihre Bücher und Texte in möglichst hoher Auflage zu verkaufen. Deshalb verwendeten sie die Sprachen, die in großen Sprachgebieten verbreitet waren.

Aus dem Bestreben, die Arbeiten überregional vertreiben zu können, entstand schließlich eine Art Norm für die Schriftsprache. In diesem Zuge verschwanden dann auch regionale Sprachbesonderheiten und Dialektwörter aus der Schriftsprache.

Die Idee der einheitlichen Sprache ist bis heute erhalten geblieben. So gibt es zum einen die Standardsprache, die klare Aussprache- und Grammatikregeln hat und ein einheitliches Vokabular verwendet. Die Standardsprache wird bei geschriebenen Texten verwendet, in Schulen gelehrt und als Hochdeutsch bezeichnet. Das Gegenstück dazu bildet die Alltagssprache. Unter den Begriff Alltagssprache fallen im Prinzip alle Sprachformen und Dialekte, die Menschen sprechen, wenn sie kommunizieren.

Innerhalb Deutschlands gibt es heute 16 große Dialektverbände, darunter beispielsweise Bayerisch, Alemannisch, Westfälisch und Sächsisch. Die einzelnen Dialektverbände teilen sich noch einmal in viele kleinere und größere Sprachgruppen auf. Je nach Region wird mal stärker und mal schwächer ausgeprägt Dialekt gesprochen. Ingesamt sind die Dialekte auf dem Land aber deutlicher vertreten, während in den Städten seltener Dialekt gesprochen wird.

Rückschlüsse auf das Bildungsniveau lassen sich allerdings nicht ziehen, denn Dialekte sind bei Sprechern aus allen sozialen Schichten zu finden. Doch bei der Alltagssprache gibt es nicht nur regionale Besonderheiten, sondern auch situationsbedingte Unterschiede. So sprechen Menschen anders, wenn sie beispielsweise mit Ämtern und Behörden kommunizieren, als wenn sie sich am Arbeitsplatz mit dem Vorgesetzten oder privat im Freundeskreis unterhalten.

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