3 Leitsätze zum Deutsch lernen

3 Leitsätze zum Deutsch lernen 

Es müssen nicht immer Tipps sein. Auch Leitsätze können dabei helfen, Deutsch zu lernen.

Hier sind 3 davon!

Tipps zum Deutschlernen gibt es viele. Und der wichtigste Tipp lautet sicherlich: Üben, üben, üben. Denn nur wer am Ball bleibt und eine Sprache regelmäßig spricht, kann sie langfristig lernen. Aber mit den Tipps und den guten Ratschlägen zum Lernen ist es so eine Sache.

Schließlich lernt jeder Mensch anders und so kann es gut sein, dass ein Schüler von einem Tipp profitiert, während derselbe Tipp einem anderen Schüler überhaupt nichts bringt. Der folgende Beitrag geht deshalb einen anderen Weg: Statt Tipps gibt es diesmal drei Leitsätze zum Deutsch lernen!

 

1. Leitsatz: Lerne Deutsch mit Deinen Lieblingstexten!

Jeder Mensch hat seine Lieblingstexte. Oder zumindest Texte, die ihm vertraut sind. Dies können Märchen oder Geschichten sein, die die Eltern oder Großeltern früher vorgelesen haben. Vielleicht sind es auch Lieblingsgedichte oder Bücher, die der Schüler gelesen hat und die ihm sehr gut gefallen haben. Möglicherweise hat der Schüler einen Autor, den er besonders gerne mag. Auch Liedtexte aus der Heimat oder Geschichten, die der Schüler als Filme gesehen hat, sind geeignet.

Beim Deutschlernen können solche Texte aus zwei Gründen ein sehr gutes Hilfsmittel sein:

1.       Der Schüler kennt die Texte und weiß deshalb, worum es geht. Folglich kann er sich ganz auf die deutsche Sprache, die Vokabeln, die Grammatik und die Formulierungen konzentrieren. Er muss sich nicht zusätzlich auch noch damit beschäftigen, die Texte inhaltlich zu verstehen.

2.       Durch Texte, die dem Schüler in seiner Muttersprache vertraut sind, fällt die Annäherung an die neue, fremde Sprache leichter. Denn wenn sich der Schüler mit etwas beschäftigt, das er kennt, wirkt das Deutsche gleich weniger fremd.   

Der Schüler sollte sich also die deutschen Übersetzungen von seinen Lieblingstexten und -büchern besorgen und sie lesen. Im nächsten Schritt kann er sich dann neue Texte zu Themen oder von Autoren besorgen, die ihn interessieren. Auf diese Weise vertieft er nach und nach seine Deutschkenntnisse.

 

2. Leitsatz: Übe laut!

Beim Lernen wird meistens stumm gelesen. Doch dabei bleibt ein Sinn unbeteiligt, nämlich das Gehör. Andererseits ist bekannt, dass größere Lerneffekte erzielt werden können, wenn die Inhalte laut gelesen oder zumindest vor sich hin gemurmelt werden. Koran- und Thora-Schulen, in denen die Schüler die Texte immer laut vorlesen, sind ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Generell gilt, dass eine Sprache durch das Sprechen am effektivsten erlernt wird.

Doch das Sprechen muss nicht zwangsläufig als Dialog erfolgen. Auch im Monolog, also durch Selbstgespräche, Reden vor einem imaginären Publikum oder eben das laute Lesen wird eine Sprache gesprochen. Die Kombination aus Sehen, Lesen, Aussprechen und Hören verstärkt nicht nur den Lerneffekt, weil mehrere Sinne aktiv sind, sondern trainiert nebenbei auch die Aussprache und den Sprachfluss.

Außerdem steigert sie das Verständnis, weil sich der Schüler an den Klang der Sprache gewöhnt. Doch damit das laute Lesen die gewünschten Lerneffekte erzielt, sollte der Schüler folgende drei Tipps beherzigen:

1.       Der Schüler sollte zumindest am Anfang für sich alleine üben. Denn es kostet durchaus Überwindung, einen Text in einer fremden Sprache, die der Schüler noch nicht richtig beherrscht und vielleicht nicht flüssig lesen kann, vor anderen laut vorzutragen. Beim Lernen sollte sich der Schüler aber auf das Lernen und die Inhalte konzentrieren, und nicht darauf, sich nicht zu blamieren.

2.       Der Schüler sollte seinen Text immer komplett durchlesen, also vom Anfang bis zum Ende. Ständige Unterbrechungen, um Fehler zu analysieren und zu korrigieren, stören den Lesefluss und damit auch den Lerneffekt.

3.       Durch das laute Lesen wird deutlich, wo die Aussprache holprig ist und an welchen Stellen der Schüler über Vokabeln oder die Grammatik stolpert. Trotzdem sollte er nicht zu selbstkritisch sein und zu viel über seine Fehler nachdenken. Besser ist, den Text immer wieder zu lesen, um sich durch die Wiederholungen zu korrigieren und gleichzeitig zu verbessern. Weggelegt werden sollte ein Übungstext aber erst dann, wenn er flüssig und fehlerfrei gelesen werden kann.

 

3. Leitsatz: Knüpfe Kontakte auf Deutsch!

Um in Deutschland Fuß zu fassen und sich einen Alltag aufzubauen, reicht es nicht aus, nur die deutsche Sprache zu lernen. Stattdessen ist es auch notwendig, Kontakte zu knüpfen, einen Bekanntenkreis aufzubauen und Freundschaften zu schließen, um so in die Gesellschaft einzutauchen.

Doch natürlich ist das leichter gesagt als getan. Und jemand, der in einem fremden Land lebt, wird sicherlich immer mal wieder Heimweh haben und seine gewohnte Umgebung, seine Familie und seine alten Freunde vermissen. Eine Folge davon ist, dass sich der Schüler mit Landsleuten trifft. Hier kann er sich in seiner Muttersprache unterhalten und sich in einem Kulturkreis bewegen, der ihm vertraut ist. Doch für das Deutschlernen ist das nicht unbedingt förderlich. Denn das Gehirn bleibt bei der Muttersprache. Um die deutsche Sprache zu lernen, ist es aber wichtig, dass das Gehirn regelmäßig dazu gezwungen ist, in Deutsch zu arbeiten.

Natürlich soll der Schüler seine Wurzeln nicht verleugnen und seine kulturelle Herkunft aufgeben. Aber sein Ziel sollte nicht sein, die eigene Kultur in einem fremden Land zu leben. Sondern sein Ziel sollte sein, in Deutschland eine neue Heimat zu finden. Und das wird nur funktionieren, wenn sich der Schüler auf Deutschland, die deutsche Kultur und die deutsche Sprache einlässt.

Doch was heißt das für die Praxis? Zunächst einmal sollte sich der Schüler im Sprachkurs nicht neben Landsleute setzen. Denn mit Personen, die seine Muttersprache sprechen, wird er sich nicht auf Deutsch unterhalten. Dies würde sich irgendwie komisch anfühlen. Außerdem sollte sich der Schüler vornehmen, mit jedem, wirklich ausnahmslos jedem Gesprächspartner deutsch zu sprechen.

Im Sprachkurs, wo oft viele Nationen zusammenkommen, wird gerne auf Englisch ausgewichen, denn das scheint einfacher. Generell wird der Schüler oft ins Englische verfallen oder versuchen, sich anderweitig verständlich zu machen. Dabei wäre es viel leichter, das bisher Erlernte anzuwenden. Auch wenn es nur ein paar Brocken sind. Doch wenn der Anfang erst einmal gemacht ist, werden die Sprachkenntnisse immer besser.

Der Schüler sollte sich also jeden Abend bewusst machen, wie viel Deutsch und wie viel Muttersprache er an diesem Tag gesprochen hat. Und er sollte versuchen, den Deutschanteil kontinuierlich zu steigern. Dazu kann er ganz bewusst das Gespräch suchen, etwa beim Einkaufen oder im Café. Er kann Feste und Märkte besuchen, ins Kino gehen oder in einen örtlichen Verein eintreten. Je mehr die deutsche Sprache zu einem festen Bestandteil seines Alltags wird, desto größer werden die Lernfortschritte sein und desto selbstverständlicher wird der Umgang damit.

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Veröffentlicht von

Marlies Giesa

Geboren 1968, habe ich teilweise über die Jahre im In- und Ausland das Fach Deutsch unterrichtet. Ich liebe die deutsche Sprache und möchte das Wissen gerne an Schüler, Ausländer, Studenten und Interessierten weitergeben. Ich hoffe meine Übungen und Anleitungen werden ihnen helfen oder sie unterstützen.

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