Lernhilfen: die 4 Lerntypen

Lernhilfen: die 4 Lerntypen 

Unabhängig vom Alter, der Herkunft und der Bildung, hat jeder Mensch seine eigene Art, wie er am besten lernt. Wenn es darum geht, eine Sprache zu lernen, ist die Theorie natürlich nur ein Teilbereich. Am besten und effektivsten lässt sich eine Sprache durch den praktischen Einsatz lernen, also durch das aktive und bewusste Sprechen der Sprache.

Trotzdem geht es nicht ohne Theorie, denn das Üben der Grammatik, das Lernen von Rechtschreibregeln und das Pauken von Vokabeln bildet die Basis. Und gerade für dieses Büffeln der Theorie kann es sehr hilfreich sein, den eigenen Lerntyp zu kennen.

 

Die vier verschiedenen Lerntypen

Es gibt verschiedene Arten des Lernens und jeder Mensch hat eine Methode, mit der er die besten Erfolge erzielt. So kann sich der eine Inhalte besonders gut merken, wenn er sie hört. Ein anderer muss den Lernstoff sehen und selbst lesen. Wieder ein anderer erzielt die besten Lernfortschritte, wenn er sich mit anderen austauscht.

Wenn es jemandem schwerfällt, dem Unterricht zu folgen, oder er länger braucht, bis die Vokabeln und die Grammatikregeln sitzen, hat dies oft nichts mit seiner Intelligenz oder seiner Motivation zu tun. Stattdessen liegt die Ursache häufig darin, dass er Lernmethoden anwendet, die für seinen Lerntyp nicht optimal sind.

Beim Lernen kommen die Sinnesorgane zum Einsatz. Sie erfassen die Inhalte und leiten sie ans Gedächtnis weiter. Nun sind die Sinnesorgane aber bei jedem Menschen verschieden ausgeprägt. Deshalb gibt es auch verschiedene Lerntypen. In Anlehnung an die Sinnesorgane, die beim Lernprozess beteiligt sind, wird dabei zwischen vier verschiedenen Lerntypen unterschieden:

 

1. Der visuelle Lerntyp

Der visuelle Lerntyp setzt in erster Linie seinen Sehsinn ein. Allein durch Zuhören oder im Gespräch mit anderen fällt es ihm oft schwer, die Inhalte nachzuvollziehen und sich zu merken. Wenn er den Lernstoff aber als Text oder Bild sehen kann, ist es für ihn deutlich einfacher, die Inhalte zu verstehen und sich einzuprägen. Der visuelle Lerntyp lernt am besten, indem er liest, sich Bilder anschaut und Handlungsabläufe beobachtet.

Im Unterricht macht er sich gerne Notizen oder erstellt Skizzen, die ihm später dabei helfen, die Inhalte noch einmal nachzuvollziehen. Er braucht allerdings eine aufgeräumte Lernumgebung. Chaos auf dem Schreibtisch, der Fernseher im Hintergrund, Bewegungen draußen vor dem Fenster und andere Einflüsse, die er aus dem Augenwinkel beobachtet, lenken ihn schnell vom Lernen ab. 

Lernhilfen und -mittel: Bücher, Arbeitsblätter, Bilder, Lernposter, Karteikarten, Videos, Notizen und Skizzen

 

2. Der auditive Lerntyp

Der auditive Lerntyp arbeitet hauptsächlich mit seinem Hörsinn. Er macht die besten Lernfortschritte, wenn der Lernstoff hört. Ob er dabei den Ausführungen des Lehrers zuhört, ihm jemand den Lernstoff mündlich erklärt oder er die Inhalte selbst laut liest, spielt keine Rolle. Er kann Inhalte besser nachvollziehen und sich merken, wenn er sie akustisch wahrnimmt, als wenn er sie in Bildern sieht oder als Text vor sich hat.

Der auditive Lerntyp kann oft auch gut auswendig lernen. Mitunter reicht es dabei, wenn er sich einen Inhalt ein paar Mal laut vorsagt. Da der auditive Lerntyp über seinen Hörsinn lernt, bevorzugt er eine ruhige Lernumgebung. Musik im Hintergrund, Gespräche am Nachbartisch oder andere Geräusche in der Umgebung stören ihn und lenken ihn ab.

Lernhilfen und -mittel: Lernkassetten, Vorträge, mündliche Erklärungen

 

3. Der kommunikative Lerntyp

Der kommunikative Lerntyp tut sich schwer, wenn er den Lernstoff alleine aufarbeiten muss. Auch einen Inhalt nur zu lesen oder zu sehen, bringt ihm nicht allzu viel. Ihm fällt es am leichtesten, Inhalte zu verstehen und sich einzuprägen, wenn er sich mit anderen darüber austauschen kann. Er profitiert am meisten, wenn er Fragen stellen, mit seinen Mitschülern diskutieren, anderen die Inhalte erklären und Antworten geben kann.

Mündliche Aufgaben und Prüfungen fallen ihm oft viel leichter als schriftliche. Da die sprachliche Auseinandersetzung mit dem Lernstoff für den kommunikativen Lerntyp wichtig ist und er sich in einer Lerngruppe am besten aufgehoben fühlt, stellt er keine besonderen Ansprüche an die Lernumgebung. Er ist durch Bewegungen oder Geräusche also nicht unbedingt gleich abgelenkt.

Lernhilfen und -mittel: Lerngruppen, Gesprächsrunden, Diskussionen, Frage-Antwort-Spiele, Rollenspiele

 

4. Der motorische Lerntyp

Der motorische Lerntyp sitzt ungern still und kann mit rein theoretischen Informationen nicht viel anfangen. Er muss Handlungsläufe selbst durchführen, sich Inhalte durch Experimente erschließen und Gegenstände anfassen. Er kann den Lernstoff am besten verstehen und sich merken, wenn er direkt am Lernprozess beteiligt ist und die Inhalte durch Handeln und Fühlen nachvollziehen kann.

Er möchte eigene Erfahrungen sammeln, um sich dem Thema auf diese Weise anzunähern. Dabei kann es schon ausreichen, wenn er beim Lernen auf- und abläuft, die Inhalte laut vorsagt und mit Gesten oder Mimik unterlegt. Ähnlich wie der kommunikative Lerntyp ist auch der motorische Lerntypen in Sachen Lernumgebung genügsam.

Lernhilfen und -mittel: Bewegungen, Experimente, Modelle nachbauen, Rollenspiele

 

Die Kombination macht’s!

Die Einteilung in Lerntypen ist in erster Linie als Tendenz zu verstehen. Kaum jemand lässt sich ganz klar einem Lerntyp zuordnen. Stattdessen sind die meisten Mischtypen und je nach Lernstoff und Lernumgebung kann die Präferenz auch unterschiedlich sein. Außerdem kann es durchaus sein, dass der Lerntyp letztlich keine Rolle spielt.

Wenn jemand beispielsweise lernen muss, mit Messer und Gabel zu essen, ist es völlig egal, ob er ein visueller oder ein auditiver Lerntyp ist. Er wird die Technik nur lernen, wenn er sie ausprobiert und übt, also motorisch lernt. Trotzdem ist es hilfreich, wenn der Lernende weiß, wie er am besten lernt. Gerade wenn es um Inhalte geht, die er schwierig findet oder die sich einfach nicht einprägen wollen, kann es sinnvoll sein, auf ein Lernmittel zurückzugreifen, das zum eigenen Lerntyp passt.

Geht es beispielsweise um Vokabeln und ist der Lernende tendenziell ein auditiver Lerntyp, kann er sich die Wörter auf Band sprechen und unterwegs immer wieder anhören. So wird er sich die Begriffe wahrscheinlich schneller merken, als wenn er sich eine Wortliste erstellt und diese mehrfach leise durchliest.

Ein typischer Fehler ist außerdem, sich auf einen Sinn zu konzentrieren. Viele bestimmen ihren Lerntyp und richten ihre Lernmethoden dann auf das Sinnesorgan aus, das beim jeweiligen Lerntyp die größte Rolle spielt. Dies ist deshalb keine gute Idee, weil beim Lernen möglichst alle Sinne einbezogen werden sollten. Je mehr Sinneskanäle beteiligt sind, desto mehr Bereiche im Gehirn werden angesprochen.

Dadurch entstehen mehr Verknüpfungen und die Informationen können sich besser im Gedächtnis verankern. Ist nur ein Sinnesorgan am Lernprozess beteiligt, beträgt die Lern- und Merkquote gerade einmal 20 bis 30 Prozent. Bei zwei Sinnen erhöht sie sich schon auf 50 Prozent. Sind beim Lernen alle Sinne beteiligt, klettert die Erinnerungsquote auf satte 90 Prozent. Abwechslungsreiche Vorgehensweisen beim Lernen versprechen somit die besten Erfolge.

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