Einwanderer Deutsch lernen ohne Deutschprüfung?

Warum Einwanderer Deutsch lernen sollten, eine Deutschprüfung aber nicht unbedingt brauchen

 

Überall ist zu lesen, dass die Sprache ein wesentlicher Schlüssel für eine erfolgreiche Integration ist. Und sicher wird auch niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass vieles einfacher wird, wenn sich jemand verständigen und mit anderen kommunizieren kann.

Doch muss es immer ein richtiger Deutschkurs sein und braucht wirklich jeder Einwanderer einen schriftlichen Nachweis für seine Deutschkenntnisse?

Der folgende Artikel geht der Frage nach, warum Einwanderer zwar Deutsch lernen sollten,
eine Deutschprüfung aber nicht unbedingt brauchen:

 

Warum Einwanderer Deutsch lernen sollten

Ganz objektiv betrachtet, gibt es ein paar gute Gründe, die dafür sprechen, Deutsch als Fremdsprache zu lernen. So wird Deutsch nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, der Schweiz, in Liechtenstein und Luxemburg sowie in Teilen Belgiens, Frankreichs und Italiens gesprochen. Mit über 120 Millionen Sprechern ist Deutsch eine der wichtigsten Sprachen in der EU. Auch als Wirtschaftsprache ist die Bedeutung nicht zu unterschätzen.

Schließlich haben einige große Konzerne und weltweit tätige Unternehmen verschiedenster Branchen ihren Sitz in Deutschland. Außerdem gehört Deutsch zu den bedeutsamsten Kultursprachen. Viele große Dichter, Denker, Forscher und Wissenschaftler schrieben in Deutsch. Goethe, Schiller, Mozart, Einstein und Freud sind nur ein paar Beispiele davon.

Für jemanden, der nach Deutschland einwandert, gibt es aber ein viel einfacheres Argument für das Deutschlernen, nämlich die Teilnahme am alltäglichen Leben.

Integration bedeutet nicht, seine Wurzeln zu vergessen, seine Herkunft zu leugnen oder seine Kultur aufzugeben. Sich zu integrieren, heißt zunächst einmal nichts anderes, als ein Teil der Gesellschaft zu werden. Diese Gesellschaft darf und soll bunt und vielseitig sein, denn gerade durch die verschiedenen Einflüsse wird sie lebendig und wertvoll. Aber damit eine Gesellschaft funktionieren kann, braucht sie eine gemeinsame Verständigungsgrundlage – und das ist die Sprache. Wenn jemand in einem Land Fuß fassen möchte, führt letztlich kein Weg daran vorbei, die Landessprache zu lernen.

Vorübergehend wird es sicher möglich sein, sich irgendwie durchzuschlagen und sich notfalls eben sprichwörtlich mit Händen und Füßen zu verständigen. Und sicherlich wird es eine Weile dauern, bis die Sprachkenntnisse so gut sind, dass die Kommunikation in allen Bereichen problemlos klappt. Es geht aber gar nicht darum, eine Sprache perfekt zu beherrschen. Selbst Muttersprachler sind sich manchmal nicht ganz sicher und machen den einen oder anderen Fehler.

Das Ziel ist vielmehr, so gut Deutsch zu sprechen, dass der Einwanderer im alltäglichen Leben selbstbestimmt und eigenständig handeln kann, egal ob es um eine Erledigung bei einem Amt, einen Arztbesuch, die Anmeldung des Kindes in der Schule, die Jobsuche, eine Bestellung oder einfach nur ein nettes Gespräch mit dem Nachbarn geht.

 

Warum Einwanderer in Deutschland Deutsch lernen sollten

Wenn ein Einwanderer nach Deutschland kommt, ist für ihn zunächst einmal alles neu, vieles ist ihm fremd und vieles läuft ganz anders ab als in seiner Heimat. Es dauert sicher seine Zeit, bis er sich eingewöhnt hat und sich eine gewisse Alltagsroutine entwickelt. Manch einer fühlt sich dann etwas überfordert, wenn er neben all den größeren Dingen und Kleinigkeiten, die erledigt werden müssen, auch noch Deutsch lernen soll.

Zumal Deutsch den Ruf hat, eine schwierige Sprache zu sein. (Hierzu wäre anzumerken, dass Deutsch sicher keine ganz einfache Sprache ist. Ob es aber wirklich schwerer ist, Deutsch zu lernen, als jede andere Sprache, ist fraglich.) Einige Einwanderer besuchen deshalb noch in ihrer Heimat Deutschkurse.

Natürlich kann es nicht schaden, wenn der Einwanderer schon ein paar Brocken Deutsch spricht, wenn er ankommt. Der Neuanfang wird leichter, wenn der Einwanderer nicht komplett bei Null anfangen muss.

Trotzdem gibt es Gründe, die dafür sprechen, erst in Deutschland richtig ins Deutschlernen einzusteigen:

1.      

In Deutschland geht das Deutschlernen schneller: Hierzulande steht ein großes Angebot an verschiedenen Deutschkursen zur Auswahl. Sie werden von staatlichen Institutionen, offiziellen Organisationen, privat organisierten Bildungseinrichtungen und Privatanbietern angeboten. Gleichzeitig sprechen die Kurse verschiedene Zielgruppen an, beispielsweise Anfänger oder Fortgeschrittene und Kinder, Jugendliche oder Erwachsene.

Deshalb sollte der Einwanderer mühelos einen Kurs finden können, der auf seiner Bildungsstufe einsteigt, seine Bedürfnisse berücksichtigt und zeitnah beginnt. Entscheidet sich der Einwanderer für einen Intensivkurs, wird er nur wenige Wochen brauchen, um eine Niveaustufe des Europäischen Referenzrahmens zu erreichen.

Im Durchschnitt dauert es sechs bis zehn Monate, bis ein Einwanderer ohne Vorkenntnisse ein gutes, alltagstaugliches Deutsch spricht. Im Vergleich dazu kann es im Heimatland mitunter ein ganzes Jahr dauern, bis sich der Einwanderer Grundkenntnisse angeeignet hat.

 

2.      

In Deutschland klappt das Deutschlernen leichter: Wenn der Einwanderer Deutsch in Deutschland lernt, lernt er die Sprache in dem Land, in dem sie gesprochen wird. Er kann das, was er im Unterricht gelernt hat, somit nicht nur im Rahmen des Unterrichts und im Gespräch mit dem Lehrer und seinen Mitschülern anwenden. Stattdessen kann er sein Wissen jederzeit und überall ausprobieren und vertiefen.

In den meisten Alltagssituationen wird ihm sogar gar nichts anderes übrig bleiben, als auf Deutsch zu kommunizieren. Die ständige Praxis hilft, sich die Vokabeln und Grammatikregeln leichter einzuprägen. Gleichzeitig gewinnt der Einwanderer zunehmend an Sicherheit und baut seine Hemmungen immer mehr ab. Hinzu kommt, dass viele Deutschkurse hierzulande nicht nur auf die Vermittlung von sprachlichen Fähigkeiten ausgelegt sind.

Genauso stehen auch die Kultur, die Sitten und Gebräuche, die Geschichte, die Politik, die Rechtsordnung und gesellschaftliche Fragen auf dem Programm. So lernt der Einwanderer auch das Land und das Leben in Deutschland besser und praxisbezogener kennen.

3.      

In Deutschland ist das Deutschlernen kostengünstiger: Deutschkurse kosten in aller Regel Geld. Allerdings verlangen auch Schulen und Bildungseinrichtungen im Ausland mitunter erstaunlich hohe Gebühren für Sprachkurse. Hat der Einwanderer kein oder ein nur sehr geringes Einkommen, greift ihm hierzulande der Gesetzgeber mit einer Förderung unter die Arme.

Die Übungseinheiten im Alltag gibt es gratis dazu. Selbst wenn der Einwanderer seinen Kurs komplett aus eigener Tasche bezahlt, spart er letztlich trotzdem, eben weil er hier vor Ort die Sprache schneller und intensiver lernen kann. 

 

Warum Einwanderer nicht unbedingt eine Deutschprüfung brauchen

Grundsätzlich muss ein Einwanderer keinen Deutschkurs absolvieren. Er kann sich die Theorie auch selbst aneignen, beispielsweise mithilfe von Büchern, Übungsblättern, einschlägigen Internetseiten, Sprachkursen auf DVD oder Lernprogrammen online.

Die Praxis wiederum übt er automatisch im Alltag. Viele Einwanderer möchten jedoch gerne eine Deutschprüfung ablegen, die ihre Kenntnisse durch einen schriftlichen Nachweis dokumentiert. Derzeit gibt es rund 30 verschiedene Deutschprüfungen, die zur Auswahl stehen. Teilweise handelt es sich um allgemeine Prüfungen in verschiedenen Niveaustufen, teilweise sind die Prüfungen berufsorientiert ausgerichtet oder dienen als Nachweis für die Zulassung zu einem Hochschulstudium.

Wenn der Einwanderer die Prüfung aber nur deshalb ablegen will, weil er sich dadurch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhofft, kann er sich die Mühe in den meisten Fällen sparen. Das Interesse vieler Arbeitgeber an erfolgreich gemeisterten Deutschprüfungen hält sich nämlich in Grenzen. Dies liegt zum einen daran, dass viele Arbeitgeber die Nachweise nicht einzuordnen wissen oder die Prüfungen überhaupt nicht kennen. Zum anderen verlassen sich Arbeitgeber nicht auf ein Blatt Papier, sondern ermitteln im Vorstellungsgespräch, ob die Deutschkenntnisse für den Beruf und die Verständigung am Arbeitsplatz ausreichen.

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Veröffentlicht von

Marlies Giesa

Geboren 1968, habe ich teilweise über die Jahre im In- und Ausland das Fach Deutsch unterrichtet. Ich liebe die deutsche Sprache und möchte das Wissen gerne an Schüler, Ausländer, Studenten und Interessierten weitergeben. Ich hoffe meine Übungen und Anleitungen werden ihnen helfen oder sie unterstützen.

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