Von diesen Kriterien hängt ab, wie schwer eine Sprache zu lernen ist

Von diesen Kriterien hängt ab, wie schwer eine Sprache zu lernen ist

Deutsch gilt als eine Sprache, die recht schwer zu erlernen ist. Doch so pauschal lässt sich das eigentlich nicht sagen. Denn zum einen hat jede Sprache ihre Eigenheiten. Es mag zwar sein, dass es bei einigen Sprachen leichter fällt und schneller geht, ein paar Brocken aufzuschnappen und ein bisschen was zu verstehen oder erste Gespräche zu führen.

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Von diesen Kriterien hängt ab, wie schwer eine Sprache zu lernen ist

Doch bis es soweit ist, dass jemand eine Fremdsprache fließend beherrscht, sicher einsetzen und sogar damit spielen kann, dauert es immer seine Zeit.

Zum anderen spielt eine große Rolle, welche Muttersprache der Schüler spricht. Und auch die Motivation, die Lernbereitschaft und das Talent des Schülers fallen ins Gewicht. Hier kommen also viele verschiedene Faktoren zum Tragen.

In diesem Beitrag haben wir einmal die wichtigsten Kriterien zusammengestellt, von denen es abhängt, wie schwer eine Sprache zu lernen ist:

Der Unterschied zwischen der Muttersprache und der Zielsprache

Ein entscheidender Punkt für den Schwierigkeitsgrad beim Lernen einer Sprache ist, wie sehr sich die Muttersprache und die Zielsprache voneinander unterscheiden. Sind die beiden Sprachen gar nicht so weit voneinander entfernt, fällt das Erlernen leichter.

Haben die beiden Sprachen aber kaum oder gar keine Gemeinsamkeiten, ist es sehr viel schwerer, in die Zielsprache hineinzufinden.

Dabei gibt es viele Möglichkeiten, wie die Unterschiede zustande kommen können:

Das Alphabet

Das deutsche Alphabet umfasst 26 Buchstaben. 21 davon sind Konsonanten (Mitlaute) und die übrigen 5 Buchstaben sind Vokale (Selbstlaute). Dazu kommen noch die sogenannten Umlaute ä, ü und ö sowie das ß.

Viele Fremdsprachen haben aber andere Alphabete. So gibt es Sprachen, die zwar ebenfalls römische Buchstaben für ihre Schrift verwenden, aber weit mehr Buchstaben kennen. Das polnische oder das ungarische Alphabet sind zwei Beispiele dafür.

Andere Fremdsprachen wiederum nutzen kyrillische Buchstaben. Dazu zählen beispielsweise Griechisch und Russisch. Und dann gibt es Sprachen, die gar keine Buchstaben verwenden, sondern mit Schriftzeichen arbeiten. Chinesisch und Japanisch sind prominente Vertreter.

Auch im Arabischen gibt es eine eigene Schrift. Hier kommt noch erschwerend dazu, dass von rechts nach links gelesen wird, während die Leserichtung im Deutschen von links nach rechts ist. Außerdem werden nur die Konsonanten geschrieben. Die Vokale tauchen erst beim Sprechen auf.

Jemand, der eine komplett andere Schrift gewöhnt ist, muss dann nicht nur die Sprache als solches lernen. Sondern er muss sich auch das Lesen und Schreiben neu aneignen. Klar, dass es dadurch nicht leichter wird, die Fremdsprache zu erlernen.

Die Grammatik

Im Deutschen gibt es drei grammatikalische Geschlechter, vier grammatikalische Fälle und sechs unterschiedliche Zeitformen. Im Unterschied dazu haben andere Sprachen gar keine, ein oder zwei Geschlechter.

Ob jemand oder etwas weiblich, männlich oder sächlich ist, wird in diesen Sprachen durch die Verwendung unterschiedlicher Wörter, vorangestellte Silben oder angehängte Endungen ausgedrückt.

In vielen Sprachen gibt es außerdem weit mehr grammatikalische Fälle und auch die Anzahl der Zeiten kann deutlich höher sein. Dadurch wird es aber nicht leichter. Denn wenn zum Beispiel ein Finne Deutsch lernt, muss er sich überlegen, wie er die 15 grammatikalischen Fälle, die er gewohnt ist, auf die nur vier verfügbaren Fälle im Deutschen übertragen kann.

Ein anderer Punkt ist der Satzbau. Im Deutschen gibt es hier recht klare Regeln. In anderen Sprachen, etwa im Russischen oder Polnischen, können die Wörter hingegen frei bewegt werden. Und je nach Position verändert sich dann die Bedeutung oder die beabsichtigte Aussage des Satzes.

Die Aussprache

Es gibt Sprachen, bei denen die richtige Aussprache von Wörtern und Lauten nicht ganz so wichtig ist. Deutsch zum Beispiel bleibt vergleichsweise verständlich, selbst wenn der Sprechende ein Wort nicht ganz richtig sagt oder einen starken Akzent hat.

Doch das ist nicht überall so. In vielen Sprachen bestimmt die Betonung eines Wortes die Bedeutung. Dann kann ein sprachlicher Akzent an der falschen Stelle die ganze Aussage komplett verändern.

Außerdem kann gut sein, dass ein Wort viele verschiedene Bedeutungen haben kann und sich der jeweilige Sinn erst im Zusammenhang erschließt.

Doch auch die Aussprache selbst kann einen großen Unterschied ausmachen. Denn nicht alle Sprachen werden so gesprochen, wie sie geschrieben werden. Zudem können Kehllaute, fehlende Vokale oder viele Umlaute in den Ohren eines Schülers befremdlich klingen.

Die Wurzeln

Die Sprachen dieser Welt bilden Sprachfamilien. So gibt es zum Beispiel die germanischen, die romanischen und die slawischen Sprachen. Zwar gibt es auch innerhalb der Sprachfamilien und oft sogar innerhalb einer Sprache Unterschiede.

So kennt zum Beispiel das Arabische unzählige Dialekte. Ein Schüler, der aus Syrien kommt, kann sich deshalb nicht zwangsläufig mit einem Schüler aus Ägypten unterhalten.

Trotzdem wird jemand, der beispielsweise Tschechisch spricht, leichter Kroatisch lernen als jemand, der keine Berührungspunkte mit einer slawischen Sprache hat.

Ein anderer Aspekt ist, wie sehr sich Sprachen verändern und von anderen Sprachen beeinflusst werden. Im Deutschen etwa gibt es zahlreiche Wörter, die aus dem Englischen übernommen wurden. Im Unterschied dazu werden im Französischen neue Begriffe in eigene Vokabeln übersetzt.

Beim Lernen einer Sprache wird es leichter, wenn der Schüler immer wieder auf Begriffe stößt, die er aus seiner Muttersprache kennt oder sich zumindest ihren Sinn erschließen kann, ohne die Vokabeln alle einzeln lernen zu müssen.

Die kulturellen Besonderheiten der Zielsprache

Im Sprachgebrauch können sich kulturelle Besonderheiten bemerkbar machen, die der Schüler in dieser Form aus seiner Muttersprache vielleicht nicht kennt. Dabei kann es sich zum Beispiel um Höflichkeitsformen oder verschiedene Ansprachen für weibliche und männliche Gesprächspartner handeln.

Schwieriger wird das Erlernen deshalb, weil der Schüler dann nicht nur auf die Wortwahl und die Grammatik achten, sondern zusätzlich dazu auch noch bedenken muss, mit wem und worüber er spricht.

Die Verbreitung und wirtschaftliche Bedeutung der Zielsprache

Generell gilt, dass eine Sprache umso leichter zu erlernen ist, je mehr Menschen sie sprechen und je größer ihre wirtschaftliche Bedeutung ist.

Das liegt zum einen daran, dass es bei einer weit verbreiteten Sprache wesentlich einfacher ist, einen Muttersprachler als Trainingspartner zu finden, als bei einer Sprache, die nur von einer vergleichsweise keinen Gruppe gesprochen wird.

Zum anderen gibt es für eine wirtschaftlich bedeutsame Sprache in aller Regel ein gutes Angebot an Sprachkursen und Lernhilfen. Sucht sich der Schüler hingegen eine recht exotische Sprache aus, wird er mitunter Schwierigkeiten haben, überhaupt Kurse und Lernmaterial in seiner Muttersprache zu finden.

Der Schüler selbst

Neben den Faktoren, die direkt mit der Zielsprache und der Muttersprache zusammenhängen, hängt auch viel vom Schüler selbst ab:

  • Warum lernt er die Zielsprache überhaupt? Nimmt sich der Schüler die Sprache freiwillig vor, weil er in dem Land leben möchte, sich für die Sprache interessiert oder Spaß am Sprachenlernen hat? Dann wird ihm das Lernen leichter fallen als einem Schüler, der sich zum Beispiel mit einer Sprache auseinandersetzen muss.

  • Wie groß ist die Motivation? Ein Schüler, der bereit ist, Arbeit und Zeit ins Sprachenlernen zu investieren, wird schneller vorwärtskommen als jemand, der sich nur gelegentlich mit einer Sprache beschäftigt.

  • Wie lernt der Schüler? Hat der Schüler bereits eine Methode für sich gefunden, wird es sich leichter tun als ein Schüler, der erst einmal ohne System irgendwie loslegt.

  • Hat der Schüler vorher schon einmal eine andere Fremdsprache gelernt? In diesem Fall kann er vielleicht auf frühere Erfahrungswerte zurückgreifen.

  • Ist der Schüler begabt? Es gibt Menschen, denen es leicht fällt, neue Sprachen zu lernen. Anderen Personen hingegen liegt das Sprachenlernen einfach weniger. Klar, dass sie sich dann mehr anstrengen müssen.

Nicht ganz unwichtig ist aber auch die Frage nach den Zielen. Denn wann jemand für sich selbst feststellt, dass er eine Sprache gelernt hat, ist verschieden. So ist ein Schüler zufrieden, wenn er sich verständigen kann, während ein anderer Schüler nach Perfektion strebt.

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Marlies Giesa, Geboren 1968 , ich habe teilweise über die Jahre im In- und Ausland, das Fach Deutsch unterrichtet. Ich liebe die deutsche Sprache und möchte das Wissen gerne an Schüler, Ausländer, Studenten und Interessierten weitergeben. Ich hoffe meine Übungen und Anleitungen werden ihnen helfen oder sie unterstützen. Christian Gülcan als Betreiber der Webseite, verfasst auch diverse Artikel, da er als Online-Redakteur täglich mit der Erstellung von hilfreichen Content arbeitet, für verschiedene Zielgruppen.

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