Infinitivkonstruktionen im Deutschen

Infinitivkonstruktionen im Deutschen

 

Infinitivkonstruktionen tauchen im Deutschen recht häufig auf. Aber was sind überhaupt Infinitivkonstruktionen? Wie werden sie gebildet? Und was drücken sie aus?

Die folgende Übersicht vermittelt die wichtigsten Infos rund um Infinitivkonstruktionen im Deutschen.

 

Der Infinitiv und Konstruktionen mit dem Infinitiv

Als Infinitiv wird die Grundform eines Verbs bezeichnet. Ein Verb ist ein sogenanntes Tu- oder Tätigkeitswort und die Grundform ist die Form, bei der das Verb nicht in irgendeiner Form abgewandelt ist.

In Wörterbüchern beispielsweise sind Verben immer in ihrem Infinitiv aufgeführt. In dieser Grundform kann ein Verb auch in einem Satz auftauchen. Wird es zusammen mit dem Wort zu verwendet, wird von einer Infinitivkonstruktion gesprochen. Andere Bezeichnungen für die Kombination aus Infinitiv und zu sind Infinitivgruppe oder erweiterter Infinitiv. Der Satz, in dem die Infinitivkonstruktion steht, nennt sich Infinitivsatz.

 

Infinitivkonstruktionen und ihre Stellung im Satz

Eine Infinitivkonstruktion bildet einen Nebensatz zu einem Hauptsatz.

 

Dabei gilt folgendes:

·         Die Infinitivkonstruktion bezieht sich auf das Subjekt des Hauptsatzes. (Das Subjekt eines Satzes gibt an, wer oder was etwas tut. Es wird durch die Frage “Wer oder was?” ermittelt. Dabei kann das Subjekt sowohl eine Person als auch eine Sache sein.)

·         Weil sich die Infinitivkonstruktion auf das Subjekt des Hauptsatzes bezieht, hat die Infinitivkonstruktion selbst kein eigenes Subjekt. Das Subjekt fällt im Infinitivsatz also weg. 

·         Eine Infinitivkonstruktion wird nicht konjugiert (abgewandelt). Stattdessen besteht sie immer nur aus dem Infinitiv, also dem Verb in seiner Grundform, und dem Wort zu.

·         In einem Satz steht der Infinitiv der Konstruktion an letzter Stelle. Der Infinitiv wird also als letztes Wort am Ende des Satzes positioniert.

·         Der Infinitivsatz kann an den Hauptsatz angehängt werden. Andersherum ist aber auch möglich, mit dem Infinitivsatz zu beginnen und danach erst den Hauptsatz folgen zu lassen. Außerdem kann die Infinitivkonstruktion als Nebensatz in den Hauptsatz eingeschoben sein.

·         Grundsätzlich sind der Infinitiv und zu zwei eigenständige Wörter. Deshalb werden sie auch als zwei Wörter, getrennt voneinander geschrieben. Bei trennbaren Verben ist das jedoch anders. Trennbare Verben sind Verben mit einer Vorsilbe, die vom Wortstamm abgetrennt werden kann. Bei den trennbaren Verben werden die Vorsilbe des Verbs, zu und das eigentliche Verb zu einem Wort zusammengefasst. Bei trennbaren Verben wird eine Infinitivkonstruktion also als ein Wort zusammenschreiben. Deshalb heißt es beispielsweise: “Er hat keine Lust, ins Kino zu gehen.” Aber: “Er hat keine Lust, sich diesen Film anzuschauen.”

 

Infinitivkonstruktionen und ihre Bedeutung

 

Mithilfe von Infinitivkonstruktionen lassen sich im Wesentlichen drei unterschiedliche Aussagen beschreiben:

 

1. Infinitivkonstruktionen für finale Aussagen

Eine Infinitivkonstruktion kann verwendet werden, um einen Finalsatz zu formulieren. Ein Finalsatz ist ein Satz, der eine Absicht, ein Ziel oder einen Zweck beschreibt. Er gibt also Antwort auf Fragen wie „Wofür?“, „Mit welchem Ziel?“ oder „Zu welchem Zweck?“. Bei einer finalen Aussage besteht die Infinitivkonstruktion aus um + zu + Infinitiv. Dabei leitet die Konjunktion um die Infinitivkonstruktion ein, während die Kombination aus zu+ Infinitivden Satz abschließt.  

 

Beispiele:

Er lernt eine Fremdsprache. Er will sich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt sichern. Er lernt eine Fremdsprache, um sich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu sichern.
Er zieht eine dicke Jacke an. Er will nicht frieren. Um nicht zu frieren, zieht er eine dicke Jacke an.
Sie spart fleißig. Sie möchte sich bald einen neuen Computer kaufen. Sie spart fleißig, um sich bald einen neuen Computer kaufen zu können. *

 

 

 

 

* Die Modalverben wollen, möchten und sollen drücken bereits eine Absicht oder einen Zweck aus. Deshalb können sie in einem Satz, der eine finale Aussage beschreiben soll, nicht verwendet werden. Sie werden dann durch können ersetzt.

Möglich ist aber auch, das können einfach wegzulassen. Auch ohne das können bleibt die Bedeutung der Aussage nämlich unverändert erhalten. 

 

 

2. Infinitivkonstruktionen als Ersatz für verneinende Aussagen

Eine weitere Einsatzmöglichkeit für eine Infinitivkonstruktion besteht darin, sie als Ersatz für eine verneinende Aussage zu nutzen. In diesem Fall wird die Konstruktion aus ohne + zu + Infinitiv gebildet. Die Konjunktion ohne leitet dabei die Infinitivkonstruktion ein, zu + Infinitiv schließen sie ab.

Dabei kann die Infinitivkonstruktion an den Hauptsatz angehängt werden, vor dem Hauptsatz stehen oder in den Hauptsatz eingeschoben sein.

 

Beispiele:

Sie spricht. Sie denkt vorher nicht nach. Sie spricht, ohne vorher nachzudenken.
Er geht aus dem Haus. Er nimmt keinen Regenschirm mit. Er geht aus dem Haus, ohne einen Regenschirm mitzunehmen.
Wir haben den Vertrag einfach unterschrieben. Wir haben uns zuvor nicht informiert. Ohne uns zuvor zu informieren, haben wir den Vertrag einfach unterschrieben.
Er ruft sie an. Er hat nicht auf die Uhr geschaut. Er ruft sie, ohne auf die Uhr geschaut zu haben, an.

 

 

 

 

 

 

3. Infinitivkonstruktionen, um andere oder unerwartete Umstände zu beschreiben

Durch eine Infinitivkonstruktion kann eine Situation oder ein Geschehen beschrieben werden, das sich anders gestaltet als erwartet. Hierfür wird eine Konstruktion aus (an)statt + zu + Infinitiv zusammengesetzt. Die Infinitivkonstruktion kann auf den Hauptsatz folgen, dem Hauptsatz vorausgehen oder den Hauptsatz als Einschub unterbrechen.

 

Beispiele:

Er macht seine Hausaufgaben nicht. Er hört lieber Musik. Er hört lieber Musik, statt seine Hausaufgaben zu machen.
Sie nimmt nicht das Fahrrad. Sie fährt mit dem Auto. Anstatt das Fahrrad zu nehmen, fährt sie mit dem Auto.
Sie legen das Erbe nicht auf die hohe Kante. Sie machen davon eine Weltreise.

Sie machen, statt das Erbe auf die hohe Kante zu legen, davon eine Weltreise.

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Thema: Infinitivkonstruktionen im Deutschen

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