Eine Übersicht zum Satzbau im Deutschen, Teil 1

Eine Übersicht zum Satzbau im Deutschen, Teil 1

Es kann ganz schön kompliziert erscheinen, Sätze auf Deutsch zu bilden. Denn die verschiedenen grammatikalischen Fälle ermöglichen, die Satzstruktur und die Reihenfolge der Wörter flexibler zu gestalten, als es in vielen anderen Sprachen der Fall ist. Auf jemanden, der Deutsch lernt, kann das durchaus undurchsichtig wirken. Doch die gute Nachricht ist, dass der deutsche Satzbau auf einem klaren Regelwerk basiert.

Eine Übersicht zum Satzbau im Deutschen, Teil 1

So ist zum Beispiel die Position des Verbs eine recht einfache Sache. In einer zweiteiligen Übersicht erklären wir die wichtigsten Regeln zum Satzbau im Deutschen!:

Der Aufbau von einfachen Hauptsätzen

Ein regulärer Hauptsatz folgt im Deutschen meist dem Muster Subjekt – Prädikat – Objekt. Bei einer einfachen Aussage steht das Subjekt also an erster Stelle. Als Nächstes folgt an der zweiten Stelle mit dem Prädikat das Verb. Das Objekt und alle anderen Satzelemente schließen sich auf den weiteren Positionen daran an.

Beispiel: „Der Mann trägt eine Brille.“ Der Mann ist hier das Subjekt und steht an erster Stelle. An der zweiten Stelle steht das Verb trägt und danach folgt die Brille als Objekt.

An erster oder zweiter Stelle heißt aber nicht, dass das jeweilige Wort das erste oder zweite Wort des Satzes sein muss. Stattdessen geht es immer um das Satzelement. Lautet ein Satz beispielsweise „Der kleine Junge geht in den Kindergarten.“, besteht das Subjekt – der kleine Junge – aus drei Wörtern. Das Verb – geht – steht an zweiter Stelle, ist aber das vierte Wort des Satzes.

Zusammengesetzte Verben

Bei zusammengesetzten Verben rutscht der zweite Teil des Verbs ganz ans Satzende. Ein zusammengesetztes Verb kann ein Wort sein, bei dem die Vorsilbe beim Konjugieren abgetrennt wird. Aber es können auch Phrasen sein, die aus einem Hilfsverb und zum Beispiel dem Partizip Perfekt oder dem Infinitiv bestehen.

Die Regel hier lautet, dass zwar der zweite Teil des Verbs am Ende des Satzes steht. Doch es bleibt dabei, dass der konjugierte Teil die zweite Stelle im Satz einnimmt:

  • Der Mann hat früher keine Brille getragen.
  • Der kleine Junge kommt im Kindergarten an.

Allerdings ist es im Deutschen oft so, dass Sätze nicht mit dem Subjekt beginnen. Normalerweise hat das stilistische Gründe. Auch in diesem Fall behält das Verb seine Position an der zweiten Stelle. Das Subjekt hingegen steht direkt hinter dem Verb:

  • Jetzt trägt der Mann eine Brille.
  • Gestern war der kleine Junge nicht im Kindergarten.

Noch einmal die Grundregel

In einem deutschen Aussagesatz ist das Verb immer das zweite Element. Wie der Satz beginnt, spielt dabei keine Rolle. Das Subjekt steht entweder ganz vorne an der ersten Stelle oder folgt unmittelbar nach dem Verb.

Wer Deutsch lernt, kann und sollte sich diese Grundregel gut einprägen. Denn wenn er berücksichtigt, dass das Verb in einem eigenständigen Hauptsatz grundsätzlich das zweite Element eines Satzes ist, wird es leichter, Satzstrukturen zu durchschauen und eigene Sätze zu bilden.

Etwas anders ist der Satzbau bei Fragen. Hier kommt es darauf an, ob die Frage mit einem Fragewort beginnt oder ob nicht. Leitet ein Fragewort wie warum, wann, wo oder wie den Fragesatz ein, steht das Verb an der zweiten Stelle und direkt danach kommt das Subjekt. Gibt es hingegen kein Fragewort, startet die Frage mit dem Prädikat.

Auch hier schließt sich das Subjekt dann wieder an das Prädikat an:

  • Wieso trägt der Mann eine Brille?
  • Trägt der Mann eine Brille?
  • Wann geht der kleine Junge in den Kindergarten?
  • Geht der kleine Junge in den Kindergarten?

Die Struktur von Nebensätzen

Bei Nebensätzen sind die Regeln für die Reihenfolge der Satzelemente etwas komplizierter als bei einfachen Hauptsätzen. Ein Hauptsatz ist ein Satz, der für sich alleine stehen kann, in sich geschlossen ist und nicht von anderen Satzteilen abhängt. Im Unterschied dazu kann ein Nebensatz nicht alleine stehen und ist von einem anderen Teil des Satzes abhängig.

Eingeleitet wird ein Nebensatz entweder durch eine untergeordnete Konjunktion wie dass, ob, wenn, weil oder wie oder im Fall eines Relativsatzes durch ein Relativpronomen (der, die, das bzw. welcher, welche, welches).

Das konjugierte Verb steht ganz hinten, am Ende des Nebensatzes. Nebensätze sehen zum Beispiel so aus:

  • Sie weiß nicht, ob sie morgen arbeiten muss.
  • Weil die Straße gesperrt war, musste er einen Umweg fahren.
  • Er konnte nicht einschlafen, obwohl er sehr müde war.
  • Der Schüler bekam die Note, die er erwartet hatte.
  • Der Bus, den sie nehmen wollen, hat Verspätung.

Wie die Beispiele zeigen, beendet das konjugierte Verb jeden Hauptsatz. Ein Komma trennt den Nebensatz immer vom Hauptsatz. Das gilt unabhängig davon, ob der Nebensatz vor oder nach dem Hauptsatz steht.

Beginnt ein Satzgefüge mit dem Nebensatz, schiebt sich das Verb des Hauptsatzes an die erste Stelle nach dem Komma. Ansonsten ändert sich an der Reihenfolge der Wörter nichts. Was das genau bedeutet, schauen wir uns in Teil 2 an.

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Marlies Giesa, Geboren 1968 , ich habe teilweise über die Jahre im In- und Ausland, das Fach Deutsch unterrichtet. Ich liebe die deutsche Sprache und möchte das Wissen gerne an Schüler, Ausländer, Studenten und Interessierten weitergeben. Ich hoffe meine Übungen und Anleitungen werden ihnen helfen oder sie unterstützen. Christian Gülcan als Betreiber der Webseite, verfasst auch diverse Artikel, da er als Online-Redakteur täglich mit der Erstellung von hilfreichen Content arbeitet, für verschiedene Zielgruppen.

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