Deutschunterricht für Erwachsene – 10 Tipps, 2. Teil

Deutschunterricht für Erwachsene – 10 Tipps, 2. Teil

Deutschunterricht für Erwachsene richtet sich an verschiedene Zielgruppen. Da sind zum Beispiel Schüler, die es aus beruflichen, familiären oder anderen Gründen nach Deutschland verschlagen hat und die jetzt Deutsch lernen möchten. Genauso gibt es Schüler, die ihren Aufenthalt in Deutschland nutzen wollen, um sich Fremdsprachenkenntnisse anzueignen.

Deutschunterricht für Erwachsene

Vor allem in jüngerer Vergangenheit sind die Schüler aber vielfach Flüchtlinge und Asylsuchende. Für sie ist der Deutschunterricht ein wichtiger Schritt, um anzukommen und Fuß zu fassen.

Unterricht für Erwachsene folgt aber anderen Regeln als Unterricht für Kinder. Es ist nicht ohne Weiteres möglich, die Gestaltung und die Methoden zu übertragen. Denn was bei Kindern funktioniert, funktioniert nicht zwangsläufig auch bei Erwachsenen.

Ein Hauptgrund dafür ist, dass die Herangehensweise unterschiedlich ist. So haben Kinder oft wenig Berührungsängste. Sie denken nicht so sehr nach und gehen unbeschwerter heran. Im Unterschied dazu sind Erwachsene oft zurückhaltender, auch aus Scham oder der Sorge, Fehler zu machen.

Jedenfalls ist wichtig, dass Deutschunterricht für Erwachsene auch wirklich für Erwachsene gemacht wird. Nur: Wie lässt sich ein erwachsenengerechter Unterricht gestalten?

Worauf kommt es an? In einer mehrteiligen Beitragsreihe geben wir zehn Tipps. Hier ist der 2. Teil!:

Tipp Nr. 5: Einen Schritt nach dem anderen gehen.

Lehrer, für die Deutsch ihre Muttersprache ist, führen sich oft nicht vor Augen, dass die Sprache keine bloße Aneinanderreihung von Wörtern, Ausdrücken und Sätzen ist. Sondern dass es sich bei der Sprache um ein System mit komplexen Strukturen handelt. Außerdem ist ihnen häufig nicht klar, welche Punkte den Schülern die größten Schwierigkeiten bereiten. Erschwerend kommt natürlich dazu, dass die Stolpersteine beim Lernen individuell sehr verschieden sein können.

Wie schon im 2. Tipp erklärt, sollte der Lehrer deshalb immer seine Schüler im Blick haben und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Zudem hat es sich bewährt, die Lerninhalte in eine sinnvolle und nachvollziehbare Reihenfolge zu bringen. Im Deutschunterricht sollte ein Schritt auf den nächsten folgen.

Das klappt so:

  • Der Unterricht sollte grundsätzlich nach dem Motto “Vom Leichten zum Schwereren” aufgebaut sein.
  • Der Lehrer sollte ein langsames Lerntempo wählen und dabei vor allem auch Zeit für Dinge einplanen, die ihm selbstverständlich erscheinen. Ein klassisches Beispiel dafür ist das Vokabellernen. Für den Lehrer ist es normal, mit Wörtern umzugehen. Den Schüler kann es aber vor eine große Aufgabe stellen, sich all die neuen Begriffe richtig einzuprägen.
  • Gut ist, wenn der Lehrer die Inhalte der vorherigen Lerneinheit bei Unterrichtsbeginn wiederholt. Zum einen verfestigt sich das Wissen auf diese Weise. Zum anderen kann der Lehrer herausfinden, ob sich Fehler eingeschlichen haben oder noch Unklarheiten bestehen.
  • Neue Inhalte sollte der Lehrer nach dem Schema “Zeigen, Erklären, Üben, Anwenden” einbringen. Gleichzeitig macht es Sinn, älteren Lernstoff zu wiederholen und so mit den neuen Inhalten zu verknüpfen.

Tipp Nr. 6: Die Aufmerksamkeit auf die Fortschritte lenken.

Es ist nicht leicht, eine neue Sprache zu lernen. Umso mehr motiviert es deshalb, wenn sich erste Erfolge einstellen. Der Lehrer sollte seinen Schülern regelmäßig vor Augen führen, wie viel sie schon geschafft haben. Natürlich heißt das nicht, dass der Lehrer seine Schüler dazu anregen sollte, sich auf dem auszuruhen, was sie schon können.

Aber früher oder später kommt ein Punkt, an dem es nicht mehr so schnell vorangeht, gewisse Inhalte einfach nicht in den Kopf wollen oder die Lernfortschritte nicht erkennbar sind. Gerade dann ist wichtig, dass die Schüler am Ball bleiben und die Motivation nicht verlieren.

Der Deutschlehrer sollte seine Schüler deshalb wie folgt unterstützen:

  • Wichtig ist, dass der Lehrer im Blick hat, welcher Schüler wie weit ist. Welchen Schülern fällt das Lernen leicht? Welche Schüler brauchen mehr Hilfe?
  • Natürlich muss der Lehrer auf Fehler hinweisen und diese berichtigen. Aber er sollte die Aufmerksamkeit nicht auf das lenken, was ein Schüler falsch gemacht hat, sondern auf das, was der Schüler schon kann und richtig macht. Stellt der Lehrer stets die Fehler in den Vordergrund, führt das beim Schüler möglicherweise zu Frust. Und auch für den Lehrer wird es zunehmend schwerer, die Fortschritte zu sehen.
  • Der Lehrer sollte auch kleine Lernfortschritte loben. Vor allem Schüler, denen das Lernen schwerfällt, profitieren sehr von Erfolgserlebnissen.
  • Damit sich kein Schüler benachteiligt fühlt und der Zusammenhalt in der Gruppe wächst, sollte der Lehrer immer wieder aufzeigen, wie viel die Schüler als Gruppe schon erfolgreich gelernt haben.

Tipp Nr. 7: Möglichst viele Sinne mit einbeziehen.

Jeder Mensch lernt anders. In der Pädagogik wird zwischen verschiedenen Lerntypen unterschieden. So gibt es den auditiven Typ, der am besten durch Zuhören lernt. Im Unterschied dazu kann der visuelle Lerntyp Inhalte am einfachsten erfassen, wenn er sie sieht. Der haptische Lerntyp wiederum erzielt durch “Learning by Doing“ die besten Erfolge, während der kommunikative Lerntyp in einer Gruppe aufblüht.

Tatsächlich wissen viele Schüler aber gar nicht, welchem Lerntyp sie angehören. Zudem lassen sich nicht immer klare Grenzen ziehen. Und je nach Unterrichtsfach und Inhalt kann die eine Lernmethode effektiver sein als eine andere. Im Deutschunterricht kommt noch dazu, dass der Lehrer ein Gruppe aus Schülern vor sich hat und folglich einen Weg finden muss, mit dem alle Schüler etwas anfangen können.

Andererseits zeigt sich in der Praxis immer wieder, dass sich Lerninhalte am besten einprägen, wenn möglichst viele Sinne am Lernprozess beteiligt sind.

Für den Deutschunterricht heißt das:

  • Der Lehrer sollte versuchen, alle Sinne anzusprechen. Die Schüler sollten Lerninhalte also nicht nur hören, sondern auch sehen, anfassen, riechen und schmecken können.
  • Gerade bei Vokabeln macht es Sinn, die entsprechenden Gegenstände nach Möglichkeit mitzubringen. Geht es beispielsweise um Kleidungsstücke, können die Schüler im Unterricht Outfits zusammenstellen oder Koffer für bestimmte Reisen packen. Auf diese Weise lernen die Schüler die Vokabeln und üben gleichzeitig, sie anzuwenden.

Wenn es zum Thema passt, spricht überhaupt nichts dagegen, den Unterricht nach draußen zu verlegen. Geht es zum Beispiel ums Einkaufen, bietet es sich an, mit den Schülern einen Supermarkt aufzusuchen. Dort können die Schüler dann auch gleich bereits gelernte Vokabeln wiederholen, indem sie Lebensmittel und andere Dinge benennen.

Mehr Ratgeber, Tipps, Anleitungen und Übungen:

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