Umgangsformen in Deutschland: Tipps rund um den richtigen Händedruck

Umgangsformen in Deutschland: Tipps rund um den richtigen Händedruck

 

Die Sprache ist ein sehr wichtiger Faktor, wenn es darum geht, in einem Land zurechtzukommen, sich einzuleben und Anschluss zu finden. Aber auch die Sitten und Gebräuche, die Traditionen und die alltäglichen Gesten können ein Schlüssel sein. Eine dieser in Deutschland üblichen Umgangsformen ist der Handschlag bei der Begrüßung.

In Asien und in arabischen Ländern beispielsweise werden die Hände gar nicht oder wenn, dann nur sehr sanft geschüttelt. In den USA ist ein Handschlag nur beim ersten Kennenlernen und bei sehr formellen Anlässen üblich, ansonsten wird darauf verzichtet. Im Unterschied dazu ist es in Deutschland durchaus normal, sich zur Begrüßung die Hand zu geben.

 

Umgangsformen in Deutschland: Der Handschlag bei der Begrüßung 

Hierzulande wird der Handschlag als freundliche Geste aufgefasst. Er wird als eine Art Angebot gewertet, die Distanz zu überwinden und seinem Gegenüber aufgeschlossen zu begegnen. Kulturhistorisch gesehen ist der Handschlag ein Zeichen für Vertrauen und Offenheit. Schließlich kann nur jemand, der nichts in seiner Hand hat und somit unbewaffnet ist, einem anderen die Hand reichen.

Eine Pflicht ist der Handschlag aber nicht und genauso ist niemand dazu verpflichtet, die ausgestreckte Hand anzunehmen und den Handschlag zu erwidern. Ob jemand einen Händedruck möchte oder nicht, kann also jeder selbst entscheiden. Zudem gibt es Situationen, in denen ein Händeschütteln seltsam anmuten würde.

Grundsätzlich spricht aber nichts dagegen, ein freundliches „Guten Tag!“ oder ein sympathisches „Hallo!“ mit einem Handschlag zu verbinden.

 

Umgangsformen in Deutschland: Tipps rund um den richtigen Händedruck

Nun tauchen rund um den Handschlag aber einige Fragen auf: Wer gibt wem die Hand? Wie lange wird die Hand geschüttelt? Und was passiert eigentlich mit der zweiten Hand?

Worauf beim Handschlag geachtet werden sollte, verraten die folgenden Tipps:

 

1. Der richtige Händedruck

Der Händedruck, der in unseren Breitengraden als richtig gewertet und als positive Geste eingestuft wird, geht so:

·         Die Körperhaltung ist aufrecht, der Arm und die Hand verlaufen parallel zum Boden.

·         Der Arm wird nicht komplett ausgestreckt, sondern bleibt leicht angewinkelt.

·         Die Hand wird gerade gehalten. Die Handkante zeigt nach unten und der Daumen nach oben. Die Finger sind ausgestreckt und zeigen nach vorne.

·         Beim Handschlag selbst wird die Hand des Gegenübers vollständig umfasst und gedrückt. Währenddessen wird der Blickkontakt gesucht und die Begrüßungsformel wird von einem Lächeln begleitet. Ist es das erste Aufeinandertreffen, wird die Zeit während des Handschlags genutzt, um sich mit seinem Namen vorzustellen.

·         Der Händedruck sollte weder zu schlaff noch zu fest sein. Ein schlaffer, kaum merklicher Händedruck wirkt unsicher und unentschlossen, manchmal wird er auch als belanglos und unhöflich eingestuft. Ein zu fester Händedruck wirkt zu dominant und ist außerdem unangenehm schmerzhaft.

·         Wie lange der Händedruck andauert, hängt davon ab, wie gut sich die beiden Personen kennen, wie vertraut sie miteinander sind und wie innig die Begrüßung sein soll. Als grobe Faustregel gilt, dass ein- bis dreimal geschüttelt wird. Ist die Freude über das Treffen besonders groß, darf die Hand aber gerne auch öfter geschüttelt werden. 

·         Beim Schütteln bleiben die Hände gerade, sie werden nicht gedreht. Würde eine Person die Hand so drehen, dass ihre Hand oben aufliegt, wäre dies ein Zeichen von Dominanz. Die Person würde ihrem Gegenüber damit signalisieren, dass sie die Stärke ist und das Sagen hat. Eine solche Geste wird als unhöflich empfunden.

Übrigens wird für den Händedruck immer die rechte Hand verwendet. Dies gilt unabhängig davon, ob jemand Rechts- oder Linkshänder ist.

 

2. Die Reihenfolge

Ob überhaupt ein Händedruck stattfindet, entscheidet sich in den ersten Sekunden. So wird zuerst der Blickkontakt gesucht. Zeichnet sich dabei eine Sympathie ab, wird die Hand zur Begrüßung ausgestreckt. Was die Reihenfolge angeht, so gilt grundsätzlich, dass der Ranghöhere dem Rangniedrigeren die Hand entgegenstreckt. Die Entscheidung, ob es zum Handschlag kommt, trifft also prinzipiell der Ranghöhere.

Etwas anderes gilt aber für einen Gastgeber. Wer Gastgeber ist, heißt seine Gäste oder Besucher willkommen. Deshalb ist auch der Gastgeber derjenige, der die Hand reicht oder eben nicht. Dabei erfolgt die Begrüßung per Handschlag grundsätzlich im Stehen. Sitzt jemand und wird ihm die Hand gereicht, erhebt er sich also von seinem Platz. Dies wiederum gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Anders als früher ist es heute nicht mehr zeitgemäß, wenn eine Frau bei der Begrüßung sitzen bleibt.

 

3. Die zweite Hand

Beim Handschlag geben sich die beiden Personen immer die rechte Hand. Was die linke Hand macht, hängt von der Situation ab. Bei einer neutralen Begrüßung sollte der linke Arm locker herunterhängen. In der Hosentasche hat die linke Hand indes nichts zu suchen.

Eine solche Haltung wirkt nicht lässig, sondern erweckt den Anschein, dass die Begrüßung nicht ganz ernst genommen oder der Handschlag als lästige Pflichtübung empfunden wird. Bei einer sehr herzlichen und innigen Begrüßung kann die linke Hand um die rechte Hand des Gegenübers gelegt werden. Beide Hände sollten aber nur dann zum Einsatz kommen, wenn eine freundschaftliche Beziehung besteht. Andernfalls könnte diese Variante des Handschlags als zu aufdringlich empfunden werden.

 

4. Die Verabschiedung

Vor allem bei geschäftlichen Treffen und offiziellen Terminen sollte bei der Verabschiedung auf jeden Fall die Hand gereicht werden. Dies signalisiert Verbindlichkeit und bleibt als höfliche Geste in guter Erinnerung.

 

5. Locker bleiben!

Der vermutlich wichtigste Tipp ist aber, dass sich niemand verrückt machen sollte. Eine Begrüßung, egal ob mit oder ohne Handschlag, sollte in erster Linie freundlich wirken und ehrlich gemeint sein. Denkt jemand krampfhaft darüber nach, wem er nun wie die Hand geben soll, kommt er nicht authentisch rüber. Sehr viel besser ist deshalb, locker zu bleiben und spontan zu handeln. Alles andere ergibt sich dann ganz von selbst.

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