Sprachförderung für Kinder im Alltag – 4 Tipps

Sprachförderung für Kinder im Alltag – 4 Tipps

Während es Erwachsenen oft schwerer fällt, sich Vokabeln und Grammatikregeln zu merken, scheinen Kinder eine Sprache wie von selbst zu lernen. Ohne große Anstrengungen plappern sie einfach drauf los, beherrschen immer mehr Wörter und bilden zunehmend längere Sätze. Der Schein trügt nicht. Denn bis zu einem bestimmten Alter lernen Kinder eine Sprache tatsächlich unbewusst und automatisch nebenbei. Dazu kommt, dass sich Kinder Inhalte generell einfacher und schneller merken können als viele Erwachsene.

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Sprachförderung für Kinder im Alltag - 4 Tipps

Doch ganz ohne Hilfe von außen klappt auch der Spracherwerb bei Kindern nicht. Damit Kinder Bedeutungen, sprachliche Strukturen, Regeln in einem Gespräch und ähnliche Dinge verstehen, brauchen sie Unterstützung. Dabei sind neben den Erziehern im Kindergarten oder den Lehrern in der Schule auch die Eltern gefragt, wenn es darum geht, die sprachliche Entwicklung zu fördern. Und das ist gar nicht so schwer.

Wir geben vier Tipps zur Sprachförderung für Kinder,
die problemlos im Alltag umgesetzt werden können:

Tipp Nr. 1: offene Fragen stellen

Kinder und auch Erwachsene lernen eine Sprache am besten, wenn sie diese aktiv nutzen. Vokabeln und Grammatikregeln helfen nicht weiter, wenn der Sprecher nicht weiß, wie er sie anwenden kann. Um Kinder dazu anzuregen, zu sprechen und zu erzählen, gibt es eine simple Möglichkeit: offene Fragen stellen.

Offene Fragen beginnen mit W-Wörtern wie Wer, Wann, Wie, Was, Womit, Warum oder Wo. Dadurch liefern Sie die Vorlage für ausführlichere Antworten. Im Unterschied dazu verleiten geschlossene Fragen dazu, mit nur einem einzigen Wort zu antworten.

Bei einer Ja-Nein-Frage reicht es schließlich aus, wenn das Kind eben nur mit „Ja“ oder „Nein“ reagiert. Letztlich genügt es sogar, wenn das Kind gar nichts sagt, sondern stattdessen nickt oder den Kopf schüttelt.

Die Eltern sollten also zum Beispiel nicht fragen: „War es heute in der Schule schön?“ Besser ist, wenn sie sich durch „Wie war es heute in der Schule?“ erkundigen. Auf diese Weise laden sie ihr Kind dazu ein, zu erzählen.

Auch offene Fragen sind natürlich keine Garantie dafür, dass ein Kind in ganzen Sätzen spricht. Wer seinen eigenen Sprachgebrauch beobachtet, stellt schnell fest, dass er selbst bei W-Fragen mitunter auch nur eine sehr knappe Antwort gibt. Wenn Kinder das genauso machen, ist es deshalb völlig in Ordnung.

Trotzdem sind offene Fragen ein gutes Mittel, um Kinder zum Sprechen zu ermutigen. Dabei verleiten vor allem Warum-Fragen zu ausführlichen Antworten.

Tipp Nr. 2: Handlungen beschreiben

Das Fördern des Spracherwerbs stützt sich darauf, dass sowohl die Eltern als auch die Kinder möglichst viel sprechen. Eine einfache Möglichkeit, wie die Sprache in die alltäglichen Abläufe integriert werden kann, ist das Beschreiben der aktuell durchgeführten Tätigkeiten. Das, was gerade getan wird, wird also mit Worten begleitet.

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Sucht ein Elternteil zum Beispiel seine Lesebrille oder den Schlüsselbund, spricht er seine Gedanken laut aus. Bereitet ein Elternteil das Mittagessen zu, faltet die Wäsche zusammen oder wickelt das Geschwisterchen, werden die Abläufe und genutzten Gegenstände in Worten erklärt.

Auch die Kinder sollten erzählen, wie sie beispielsweise den Turm aus Bauklötzen bauen.

Anfangs mag es etwas seltsam sein, ständig alles zu kommentieren. Doch die Kinder erweitern damit nach und nach ihren Wortschatz und werden dazu ermutigt, zu erzählen.

Tipp Nr. 3: richtig korrigieren

Vor allem bei kleineren Kindern ist es völlig normal, dass sich beim Sprechen Fehler einschleichen. Wichtig ist aber, dass die Eltern richtig auf Fehler reagieren. Viele Eltern neigen dazu, sofort einzugreifen und die Kinder zu verbessern.

Das passiert dann durch Sätze wie: „Es heißt nicht geschlaft, sondern geschlafen.“ Wiederholt sich ein Fehler öfter, wird mitunter auch der Tonfall genervter.

So eine Korrektur bringt aber nicht viel. Denn die Kinder machen es dadurch beim nächsten Mal nicht automatisch richtig. Ist ein Kind eher sensibel, kann das direkte Verbessern sogar mehr schaden als nutzen. Denn das Kind wird unsicher und sagt lieber gar nichts mehr, bevor es wieder einen Fehler riskiert.

Natürlich müssen Kinder irgendwann lernen, wie die Aussprache, die Form oder die Satzstellung korrekt lautet. Denn nur so erfassen sie die Regeln und können ihre Sprachkenntnisse nach und nach ausbauen.

Besser als ein direktes Richtigstellen ist aber das sogenannte korrektive Feedback. Dabei korrigieren die Eltern den Fehler in einer Antwort, ohne das Kind gezielt darauf hinzuweisen.

Im eben genannten Beispiel könnten die Eltern etwa sagen: “Ich hätte auch gerne noch ein bisschen länger GESCHLAFEN.“ Dabei können sie das entsprechende Wort ruhig betonen.

Das Kind hört auf diese Weise die richtige Form, ohne dass ein blödes Gefühl aufkommt und der positive Bezug zur Sprache leidet.

Tipp Nr. 4: neue Wörter wiederholen

Damit ein neues Wort in den Wortschatz wandert und dort abspeichert wird, brauchen Kinder Informationen zu diesem Wort. Sie müssen lernen, welche Bedeutungen es haben kann, wann es passt und wann nicht, wie sich das Wort verändert und wo in einem Satz es stehen kann.

Die Eltern können das Zusammentragen solcher Informationen unterstützen, indem sie das neue Wort regelmäßig verwenden.

Dazu können sie es in Haupt- und Nebensätze einfügen, Fragen damit bilden und es in verschiedenen Situationen nennen. Je öfter ein Begriff wiederholt und umformuliert wird, desto besser prägt er sich ein.

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Marlies Giesa, Geboren 1968 , ich habe teilweise über die Jahre im In- und Ausland, das Fach Deutsch unterrichtet. Ich liebe die deutsche Sprache und möchte das Wissen gerne an Schüler, Ausländer, Studenten und Interessierten weitergeben. Ich hoffe meine Übungen und Anleitungen werden ihnen helfen oder sie unterstützen. Christian Gülcan als Betreiber der Webseite, verfasst auch diverse Artikel, da er als Online-Redakteur täglich mit der Erstellung von hilfreichen Content arbeitet, für verschiedene Zielgruppen.

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