Literaturwissenschaft

Literaturwissenschaft

Wie die Bezeichnung bereits andeutet, handelt es sich bei der Literaturwissenschaft um die Wissenschaft, die sich mit Literatur beschäftigt. Dabei beinhaltet die Literaturwissenschaft verschiedene Teildisziplinen wie unter anderem die Literaturgeschichte, die Literaturinterpretation, die Literaturkritik, die Literaturtheorie oder die Editionsphilologie.

Letztere kümmert sich um das Sichten und Erschließen von historischen und literarischen Quellen als Grundlage für die Forschung der Geisteswissenschaften.

Die Entwicklung der Literaturwissenschaft als akademische Disziplin

Historisch gesehen ist die Literaturwissenschaft das Ergebnis mehrerer universitärer und außeruniversitärer Entwicklungen. Neben der Rhetorik beschränkte sich die universitäre Auseinandereinsetzung bis in 18. Jahrhundert hinein auf die Poesie. Im Mittelpunkt standen dabei die Poetologie, die Lehre der Dichtkunst, und das Diskutieren der Regeln, die nach Aristoteles und seinen Nachfolgern für Werke in den verschiedenen Gattungen der Poesie galten.

Besprochen wurde dabei in Wesentlichen lateinische Dichtung, während die deutschsprachige und die aktuelle Poesie an den Universitäten kaum Beachtung fanden.

Dem Roman als Nicht-Bestandteil der Poesie wurde außerhalb der Universitäten und hier vor allem im Zusammenhang mit der Romanproduktion als solches Aufmerksamkeit geschenkt. So fügten die Autoren Vorworte und Kapiteleinleitungen in ihre Werke ein, die über die Geschichte des Romans berichten und zu Diskussionen über die Qualitäten dieser Gattung anregen sollten.

Ein Meilenstein hierbei wurde das „Tractat über den Ursprung der Romane“ von Pierre Daniel Huet, das 1670 als Vorrede in Madame de Lafayettes „Zayde“ erschien und heute zu den Fundamenten der Literaturgeschichtsschreibung gehört.

Huet, seines Zeichen Bischof, Gelehrter und geschult in der Textinterpretation, machte den Vorschlag, Romane und Poesie als fiktive Werke im Kontext ihrer jeweiligen kulturellen Hintergründe zu interpretieren. Die Fachwissenschaften lehnten diesen Vorstoß jedoch ab und blieben bis weit ins 18. Jahrhundert hinein bei einer disqualifizierenden Romankritik.

Gleichzeitig entwickelte sich die Literaturwissenschaft im 17. und 18. Jahrhundert zur Wissenschaft der wissenschaftlichen Publikationen. Hintergrund hierfür war, dass das Wort Literatur seinerzeit für die Wissenschaften als solches oder auch als Synonym für Gelehrsamkeit verwendet wurde.

Die Aufgabe der Literaturwissenschaft bestand deshalb in erster Linie darin, große Wissenschaftsbibliographien herauszugeben. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts gewannen dann Fachbibliographien zunehmend an Bedeutung, was zulasten der allgemeinen Übersichten über die Literatur ging. Die Literaturwissenschaft und die Literaturgeschichte blieben als Projekt aber trotzdem erhalten, denn sie hatten sich zunächst für Diskussionen über Romane und später auch über die Poesie geöffnet.

Im 19. Jahrhundert erlebte die Literaturwissenschaft einen prägenden Wandel. So wurde der Begriff Literatur neu definiert, indem nun alle sprachlichen Kunstwerke einer Nation zur Literatur gezählt wurden. In der Folge wandelte sich die Literaturwissenschaft in eine Arbeit mit politischer Färbung. Experten der Rechtswissenschaften, die mit mittelalterlichen deutschen Rechtsquellen vertraut waren, waren diejenigen, die unter dem Fachbegriff der Germanistik mit der Sicherung der Nationalliteratur beauftragt wurden. Diese neudefinierte Form der Literaturwissenschaft führte dazu, dass deutsche und französische Wissenschaftler Mitte des 19. Jahrhunderts europaweit literaturgeschichtliche Vorgehensweisen prägten.

Die Gliederung der Literaturwissenschaft heute

 

Die moderne Literaturwissenschaft gliedert sich in vier Teilfächer:

1.       Die Ältere Deutsche Literaturwissenschaft, die früher Alte Abteilung oder Altgermanistik genannt wurde und heute auch als Mediävistik bezeichnet wird, befasst sich mit der deutschen Literatur vom Frühmittelalter bis zur Neuzeit. Dieser Teilbereich deckt somit den Zeitraum ab etwa 750 bis zum 16. Jahrhundert ab.

Die Hauptaufgabe der Älteren Deutschen Literaturwissenschaft besteht in der Analyse von mittel- und althochdeutschen Texten. Dabei untersucht sie die Texte einerseits systematisch anhand von Kriterien wie der Gattung, der Form, dem Thema und den Motiven und andererseits historisch nach Epochen und Autoren.

 

2.       Die Neuere Deutsche Literaturwissenschaft erarbeitet Theorien und Methoden, durch die literarische und nichtliterarische deutschsprachige Texte ab dem 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart untersucht und gedeutet werden können. Die entwickelten Theorien und Methoden wendet sie dann auch an.

Außerdem erforscht die Neuere Deutsche Literatur literarische Epochen und ihre historischen Wandel sowie das Verhältnis zwischen literarischen Strukturen und den Bedingungen, unter den die Literatur produziert, festgehalten und verbreitet wurde. Neben der Mediävistik und der Sprachwissenschaft ist die Neuere Deutsche Literatur die dritte akademische Disziplin im Studienfach Germanistik.

Das Neu oder genauer Neuere in der Bezeichnung des Teilbereiches bezieht sich übrigens auf die Literatur, ist also im Sinne von neuzeitlich gemeint. Durch das Deutsch wiederum soll zum Ausdruck gebracht werden, dass die deutsche Sprache und somit die deutschsprachige Literatur das Objekt der Studien ist.

 

3.       Die Vergleichende Literaturwissenschaft heißt auch Komparatistik. Sie nutzt die Methode des Vergleichs, um die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede der Literaturen aus verschiedenen Ländern und Kulturen zu erforschen.

 

4.      Die Literaturwissenschaft in der Fremdsprachenphilologie beschäftigt sich mit der Literatur der jeweiligen Sprache. Analog zur Germanistik gibt es hier beispielsweise die Anglistik, die Amerikanistik, die Orientalistik, die Romanistik oder die Skandinavistik.

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Thema: Literaturwissenschaft

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