Deutsch sprechen

Deutsch sprechen

 

Wenn jemand gefragt wird, was es heißt, deutsch zu sprechen, scheint die Antwort im ersten Moment recht einfach. Deutsch zu sprechen, bedeutet nämlich zunächst einmal nichts anderes, als die deutsche Sprache zu sprechen, sich also auf deutsch auszudrücken. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Dies liegt daran, dass es die eine, einzige deutsche Sprache nicht gibt.

 

Die deutsche Sprache

Die Bezeichnung Deutsche Sprache ist im Grunde genommen eine Art Oberbegriff, der eine Vielzahl unterschiedlicher Teilsprachen zusammenfasst.

 

Diese lassen sich anhand verschiedener Gesichtspunkte gliedern:

 

·         Regionaler Bezug.

Es gibt viele verschiedene Variationen der deutschen Sprache, die jeweils an bestimmte Regionen gebunden sind. Diese Variationen werden Dialekte genannt, Beispiele dafür sind bayerisch, hessisch, Berlinerisch oder Kölsch.

Dabei unterscheiden sich die Dialekte nicht nur im Hinblick auf die Aussprache, sondern auch der Wortschatz und die Grammatik können verschieden sein. So heißt ein Brötchen beispielsweise je nach Region auch Semmel, Weck oder Schrippe. Dialekte, die auch Mundarten genannt werden, spielen in erster Linie bei der gesprochenen Sprache eine Rolle.

 

·         Politische Grenzen im Sinne von Sprachgebieten.

Deutsch wird nicht nur in Deutschland gesprochen. Auch in Österreich, der Schweiz, in Liechtenstein und Luxemburg, im Osten Belgiens, in Südtirol, im Elsass und in Lothringen, in anderen mitteleuropäischen Staaten und sogar in Namibia wird die deutsche Sprache verwendet.

Ähnlich wie bei den Dialekten unterscheiden sich auch die Sprachen in den einzelnen Sprachgebieten hinsichtlich der Aussprache, des Wortschatzes und der Grammatik voneinander. Während es bei den Mundarten jedoch keine festen Standards gibt, werden die Sprachen in den jeweiligen Sprachgebieten als Standardvarietäten bezeichnet. Ein Beispiel hierfür ist das Schweizerdeutsch.

 

·         Soziale Gruppen.

Eine weitere Unterscheidung wird anhand von gesellschaftlichen Gruppen in bestimmten Situationen vorgenommen. So sprechen Jugendliche untereinander anders als Senioren, in einem Amt wird eine andere Sprache verwendet als in der Kneipe um die Ecke. Diese Gruppensprachen werden auch als Soziolekte oder Sondersprachen bezeichnet.

 

·         Arbeitsfelder und Berufe.

Je nach Arbeitsfeld oder Themengebiet werden eigene Fachsprachen verwendet. Diese kennzeichnen sich meist durch eine Reihe von Fachbegriffen, die für den jeweiligen Beruf, eine Tätigkeit oder ein Fachgebiet spezifisch sind.

 

·         Art des Sprachverhaltens.

Im Hinblick auf das Verhalten beim Sprechen wird zwischen der gesprochenen und der geschriebenen Sprache unterschieden.

 

Der gemeinsame Ausgangs- und Bezugspunkt aller Teilsprachen ist jene deutsche Sprache, die auch als Standardsprache, Schriftsprache oder Hochdeutsch bezeichnet und beispielsweise in Schulen gelehrt wird.

 

Die Weiterentwicklung der deutschen Sprache

Die deutsche Sprache mitsamt allen ihren Teilsprachen entwickelt sich ständig weiter. Wie bei jeder anderen Sprache ändert sich dabei auch im Deutschen der Wortschatz am schnellsten. So werden regelmäßig neue Wörter in den Wortschatz aufgenommen. Häufig handelt es sich bei diesen neuen Wörtern um Fachbegriffe oder Fremdwörter, die neue Gegenstände, technische Errungenschaften oder gesellschaftliche Phänomene benennen.

Im Unterschied zum Wortschatz ändern sich die Laute praktisch nicht. Zwar gab im Verlauf der Sprachgeschichte auch hier Änderungen, allerdings dauerte es Jahrhunderte, bis beispielsweise aus sunu irgendwann Son und schließlich Sohn wurde.

Die Grammatik ändert sich ebenfalls nur sehr, sehr langsam. Selbst wenn neue Wörter dazukommen, bestehende Wörter ihre Formen ändern oder infolge des allgemeinen Sprachgebrauchs neue Satzmuster gebildet werden, bleibt die grundlegende Grammatik gleich. Die Rechtschreibung wiederum ist der einzige Teilbereich, der verbindlich geregelt ist.

So wurde bereits 1901/02 eine einheitliche Rechtschreibung eingeführt, die im Laufe der Zeit immer wieder verändert und angepasst wurde. Die derzeit gültigen Regelungen definieren den Standard für die geschriebene Sprache.

 

Deutsch schreiben und deutsch sprechen

Es macht durchaus einen Unterschied, ob jemand deutsch spricht oder deutsch schreibt. Dem geschriebenen Wort wird oft ein größeres Gewicht beigemessen und an ein Schriftstück werden üblicherweise höhere Anforderungen gestellt als an das gesprochene Wort.

So erwartet der Leser, dass der Text auf Anhieb verständlich, grammatikalisch richtig und frei von Rechtschreibfehlern verfasst ist. Beim Sprechen hat es der Redner einfacher, denn er kann seine Aussagen durch Betonungen, Gesten und Gesichtsausdrücke untermauern. Zudem kann er jederzeit nachfragen, ob sein Gesprächspartner ihn verstanden hat, entsprechende Erklärungen nachreichen oder das Gesagte in anderen Worten wiederholen.

Auch beim Sprechen kommt es allerdings darauf an, wer mit wem spricht. So wird ein persönliches Gespräch unter Freunden anders geführt als ein Gespräch mit dem Chef, einem Arzt oder einem Geistlichen. Generell gilt dabei, dass die Anforderungen an die Wortwahl und das Niveau umso höher sind, je förmlicher die Situation ist.

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